In welchen Zusammenhängen haben Sie diesen Satz bisher in Ihrem Leben gehört? 

Sicherlich häufig.

Ich hatte hauptsächlich in unternehmerischen Projekten damit zu tun, wenn es in der Unternehmensberatung um Innovation ging, aber keiner etwas riskieren wollte. In der alten Kultur verlor man sein Gesicht, wenn man Fehler machte. In der jetzt notwendig neu entstehenden Fehlerkultur sollte dieses Denken jedoch mehr und mehr verschwinden. 

In unserer kulturellen Evolution war die Wirtschaft bisher immer Vorreiter – die Politik der Nachzügler. Warum das so war und leider immer noch so ist, kann sich jeder denken. In Unternehmen geht es um Gewinn und damit um Wettbewerb – in der Politik um Macht und damit um Kontrolle. 

Wer die Freiheit aufgibt, um Sicherheit zu gewinnen, wird am Ende beides verlieren. (Benjamin Franklin)

Dahinter und dazwischen steht der Mensch als Schöpferwesen – mit der Wahl zur Orientierung.
Aber… hat er die Wahl? Oder besser gefragt, wann hat er diese Wahl? 

Wohl nur aus einer persönlichen Freiheit heraus. 

Und warum ist diese Freiheit so wichtig?

Weil nur ein freier Mensch seine Talente und Fähigkeiten entwickeln und einsetzen kann! 

Stellen Sie sich doch einmal eine Gesellschaft vor, in der Bildung und Wissenschaft völlig frei und unabhängig funktionieren. Wie würde eine solche Gesellschaft aussehen?

Innovationen wären nicht mehr von Wirtschaft und Politik abhängig, Bildung würde sich nach Fähigkeiten richten und diese fördern anstatt sie im Gleichschaltmodus zu behindern, Wissenschaftler würden dort forschen, wo es gesellschaftlich und ökologisch nötig ist, in einer transparenten kooperativen Weise, ohne manipulierender Absichten dahinter.

Mehr Sicherheit kostet Freiheit, aber Freiheit aufzugeben bringt nicht mehr Sicherheit. (Querulix)

Solche Strukturen könnten aus der teilhabenden Bevölkerung direkt finanziert werden, ähnlich wie Crowd Funding, anstatt über den staatlichen Umweg vorgeschriebener Steuern. Jeder einzelne würde so an der ökologischen und gesundheitlichen Entwicklung unserer Gesellschaft demokratisch teilhaben und nicht hilflos mitansehen, wie sein Steuergeld in politischen Strategien verschwindet. 

Die Qualität von Demokratien bemisst sich nicht daran, ob sie für alle Eventualitäten ein fertiges Gesetz im Buch haben, sondern ob ihre Verfahren offen und flexibel genug sind, um in extremen Fällen angemessen entscheiden zu können. (Gerald Häfner)

Weitergesponnen – hätten unabhängige Wissenschafts-, Bildungs- oder Gesundheitsräte die Aufgabe, Freiheit in diesen Bereichen zu garantieren und die Projekte demokratisch mit immer wieder neuen „Geschworenen“ zu entscheiden. 

Utopisch?

Weit weniger als künstliche Intelligenz.

Es gab schon einige erste Schritte in diese Richtung. Und derzeit engagieren sich viele Menschen für eine individuelle, gesundheitliche Freiheit. Auch im Bildungssektor gab es bereits unzählige Projekte für freie Schulen, wenn auch viele am System gescheitert sind.  Und in ökonomischen und ökologischen Bereichen erfahren wir derzeit akut, was es bedeutet, eine neoliberale Weltwirtschaft aufrecht zu erhalten.

Als unsere Kinder riefen: «Die Erde hat Fieber!», und sofortige Maßnahmen verlangten, passierte nichts. Als es hieß: «Wir bekommen Fieber!», stand schlagartig alles still. (Gerald Häfner)

Und was macht der ängstliche Mensch in dem einen oder anderen Bereich? Er will auf Nummer Sicher gehen. Aus Angst vor Fehlern, kompensiert in einem einheitlichem Feindbild, in dem eine neue Einheit gesucht wird.

Wer Spiral Dynamics kennt, weiß, dass wir uns abwechselnd in Auf- und Abwärtskurven entwickeln. Das liegt daran, dass der Mensch normaler weise träge ist. Er tut nur dann etwas, wenn die Motivation so groß ist, dass sie seine Trägheit überwindet. 

Also in alten Kulturen aus Gier oder Angst – und in unserer heutigen…? 

– leider auch nicht viel anders. 

Aber es gibt doch schon auch idealistische Motivationen ;-).
Und der nächste Schritt wäre, auch OHNE Zwang uns und unsere Welt zu erhalten und zu bewahren. Am Weg dorthin mag es noch Regeln brauchen, um die Gierigen unter uns leiten zu können. Doch ich bleibe optimistisch.

So manche, die sich fest im Sattel sitzend wähnen, merken gar nicht, dass sie auf dem falschen Pferd sitzen.

Wir erkennen unschwer, dass wir seit März in einer Abwärtsspirale laufen. Viele verstecken sich aus Angst hinter irgendwelchen Anordnungen und überlassen anderen das Denken, die sich mit Hilfe der jeweils passenden Daten und Fakten rechtfertigen. – Nichts Neues. Leider.

Je mehr Sicherheit versprochen wird, desto mehr Freiheit wird genommen.

Sicher ist sicher.
Und je sicherer unsere Welt wird, desto ängstlicher werden wir. 

Dadurch haben wir uns auf „no surprises“ programmiert. Und bemerken leidvoll, dass uns das in Krisen absolut nicht weiter hilft. Kontrolle verhindert immer Entwicklung. 

Als kreative Schöpferwesen ist für uns Orientierung wichtiger als Daten. Oder haben Sie noch nie erlebt, dass etwas scheinbar Unmögliches möglich wurde? Es ist eben immer eine Frage der Betrachtung. Und unser Mind schafft unser Weltbild.

Es sind nicht die Dinge selbst, die uns beunruhigen, sondern die Vorstellungen und Meinungen von den Dingen. (Epiktet)

Aus der Therapie kenne ich ein schönes Bild zum Thema Angst:
Kommt ein Mensch im Laufe seines Lebens an eine Grenze, die er nicht wagt, zu überschreiten, bleibt er nicht nur vor ihr stehen, sondern er zieht sich ein Stück weit vor ihr zurück – um sicher zu gehen.
… Mit der Zeit stößt er erneut auf eine Grenze, die jedoch näher liegt als die erste. Wieder zieht er sich zurück. Das geht so weiter – er geht immer auf Nummer sicher, bis er seinen Lebensradius ganz eng gezogen hat und vielleicht nur noch in einem Sessel im verdunkelten Zimmer sitzt, das viel zu gefährlich wäre, zu verlassen. 

Ein Leben? 

Kein schönes jedenfalls.

Die sicherste Türe ist die, die man offenlassen kann. (China)

In so einigen Coachings oder Therapien der letzten Jahrzehnte durfte ich Klienten dabei begleiten, ÜBER eine Grenze, die ihnen Angst machte, zu gehen. Der Preis dafür war immer Freiheit!
Die Mauer aus Angst wirkt mächtig. Doch je näher wir ihr kommen, desto kleiner wird sie und wenn wir sie durchschreiten, bemerken wir, dass sie doch nur aus Papier ist.
Dahinter verbirgt sich eine unendliche Zahl an neuen Möglichkeiten, für die es sich zu kämpfen lohnt! Und jeder, der bisher diese Mauer durchschritten hat, fühlte sich danach dermaßen stark, dass er mit Freude Herausforderungen annahm. Nur so konnte Neues entstehen. 

Niemals war und ist Angst ein Innovator. Und es ist immer unsere Entscheidung, uns nicht von ihr klein machen zu lassen sondern das Leben beherzt anzunehmen.
…und dann bemerken wir, dass wir nicht allein sind.

Wie ihr wisst, war Sicherheit des Menschen Erbfeind jederzeit.
(William Shakespeare)

Niemand weiß was die nächsten Jahre bringen werden, da Krisen immer disruptiv wirken und etwas völlig Unvorhersehbares bewirken können. In der Zukunftsforschung gibt es einige Szenarien. Daraus habe ich einen Blick in die Zukunft gewagt… in der Hoffnung auf Menschen, die ihre Kreativität trotz Hindernisse anwenden und mutig voranschreiten können, um die nächste Entwicklungsstufe in unserer Gesellschaft zu starten.

Mit beherzten Grüßen

Cornelia Scala-Hausmann

Über den Autor: la scala

Jg. 1965, 1 Sohn, 1 Tochter, Liebenfels / Kärnten und Wien. Synergiensuche von Selbst & Markt, Führung & Kunst, Philosophie & Trendforschung, Spiritualität & Wirtschaft. Berufsmosaik: Studium Grafik-Design & Werbewissenschaften; bis 2000 geschäftsführende Gesellschafterin einer Werbeagentur in Wien 19 mit 16 Mio. Umsatz und 12 Mitarbeitern. Kunden: CA-BA, Procter & Gamble, SCA, Rosenthal, Cincinnati Extrusion, Peithner KG etc. Ab 2000 vielfältige Ausbildungen in Coaching, Therapie und Gesundheit (4-jähriges Diplomstudium der Kunsttherapie; Stressmanagement, TCM-Diätetik, Systemisches Coaching, Mentaltrainings, Psychosomatik, Lebens- und Sozialberatung, Unternehmensberatung u.a.). Seit 7 Jahren als „Selfness & Business Coach“ tätig. Buchveröffentlichung "Die einfachen Wunder der Gesundheit - ein Selfness-Coaching". EU-Zertifizierung als Erwachsenenbildnerin (Andragogin). Gründung des Instituts für Zukunftskompetenzen. Derzeitiger Schwerpunkt in der Lehrkonzeption für aktuelle Themen und Ableitung von vermittelbaren Zukunftskompetenzen. Mehrere Publikationen, darunter Der Zukunftskompass®. 2015 bis 2019 auf Segelweltreise. 2020 Engagement in Gesellschafts- und Krisenthemen.

2 Kommentare

  1. Veronika Haschka

    Nur ganz kurz:
    Sie schreiben: „In unserer kulturellen Evolution war die Wirtschaft bisher immer Vorreiter – die Politik der Nachzügler. Warum das so war und leider immer noch so ist, kann sich jeder denken. In Unternehmen geht es um Gewinn und damit um Wettbewerb – in der Politik um Macht und damit um Kontrolle“. ?
    Nein, so einfach ist es nicht.
    Das ist ein sehr einseitiges schwarz-weiß denken, finde ich, enttäuschend.
    In der Politik gab und gibt es viele PolitikerInnen, die VorreiterInnen sind, denken wir nur an Gewerkschafter, die sich für gerechte Löhne einsetzten, vor allem im 19. und 20 Jhd. für kürzere Arbeitszeiten.
    Oder denken wir an Frauen, Johanna Dohnal um nur ein Beispiel zu nennen, oder viele andere vor ihr, die für das Frauenwahlrecht kämpften.

    Ich denke, die kulturelle Evolution ist weit komplexer.

    • Danke, Frau Haschka, für Ihren Kommentar!
      Ich bedaure, wenn Sie enttäuscht sind – ich bin es auch. Von unserer derzeitigen politischen Führung. Ich denke, man könnte jedes Thema differenzieren. Mein Anliegen ist es, zum Nachdenken anzuregen. Und da Menschen nunmal heutzutage wenig Zeit haben, muss der Text so kurz als möglich ausfallen. Ich bin jedoch überzeugt, dass viele Politiker bei Amtsantritt Idealismus mitbringen. Manche können ihn auch bewahren, manche gehen wieder, wenn sie es nicht können, andere verlieren ihn… Heute war ich im Parlament bei Frau Blümel – eine sehr nette und verständnisvolle Dame. Es kommt wohl einfach darauf an, ob man seine Möglichkeiten, sich für Wahrheit einzusetzen, ausschöpft oder nicht. Ich tue das was mir möglich ist.
      Herzliche Grüße ins Amt, Cornelia Scala-Hausmann

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