Im Allgemeinen kommt Reife durch Erfahrung. Und Erfahrung kommt durch Leben. Das braucht seine Zeit. Junge Führungskräfte sollten also reife Berater haben, die sie unterstützen und tunlichst nicht manipulieren.

In früheren Zeiten waren Führungskräfte gleichzeitig auch Anführer. Sie führten ihre Heere an, wenn sie in die Schlacht zogen. Manche von ihnen zogen sogar selbst in den Kampf (Alexander

der Große), und ihre Gefolgschaft sah in ihnen göttergleiche Helden. Andere hielten sich weise im Hintergrund und zogen dort die Fäden (Julius Cäsar).

Es gab in der Geschichte die unterschiedlichsten Führungspersönlichkeiten. Doch allen wurde entweder eine gewisse Weisheit (Salomo) oder eine beeindruckende Grausamkeit (Attila) zugeschrieben. Auch kindliche Führer sind aus der Geschichte bekannt, die jedoch keine wirklichen Anführer, sondern lediglich Marionetten für versteckt im Hintergrund agierende graue Eminenzen waren (so etwa Kardinal Richelieu für den zum Zeitpunkt seiner Thronbesteigung erst neun Jahre alten König Ludwig XIII.).

Die Liste der schlechten Führer ist weitaus länger als die der guten. Hinterher fragt man sich oft: Wie konnten die nur je an die Macht kommen? Aus der zeitlichen Distanz ist das noch eher erklärbar, als wenn es um das Heute geht. Doch seltsamerweise gibt es auch heute noch genug schlechte Führer, obwohl – vor allem in der Ersten Welt – zumeist doch Demokratien vorherrschen.

Nicht erst seit der Wirtschaftskrise sind Führungskräfte in Politik und Wirtschaft vermehrt in den Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit geraten. Anlagebetrüger wie Bernard Madoff, Wall-Street-Größen wie Richard Fuld Jr. von Lehman Brothers oder der jetzige US-Präsident Donald Trump sind dafür abschreckende Beispiele. In Deutschland sind es Manager wie Klaus Zumwinkel, Georg Funke (Hypo Real Estate), Thomas Middelhoff (Arcandor) oder Reinhold Würth, die zeigen, dass eine Spitzenposition in einem Unternehmen nicht unbedingt mit fachlichem Können und ethischem Verhalten einhergehen muss.

In einem Interview räumt die Harvard-Politologin Barbara Kellermann mit derlei Illusionen gründlich auf und kritisiert die Leadership-Forschung unserer Zeit. In ihrem Buch Bad Leadership erläutert sie, dass Führung eben nicht nur etwas für die Edlen, Klugen und Guten sei. Denn jeder Mensch sei nun einmal zu einem großen Teil von Impulsen wie Habgier und Machtlust getrieben. Von diesen dunklen Trieben könne man sich aber nicht befreien, indem man zehn Führungsseminare besucht. Auch hält sie wenig davon, Führung in der Theorie durch Lesen u.Ä. erwerben zu wollen: „Wenn man jemandem Schwimmen oder Radfahren beibringen will, gibt man ihm schließlich auch keine entsprechenden Bücher zu lesen.“ Und dennoch brauchen schlechte Anführer ihre Anhänger, um überhaupt erst in ihre Führungsposition zu gelangen und diese auch beizubehalten.

Führung hat also auch mit Charakter zu tun. Und mit der Ausbildung von Tugenden. Wir sprechen sogar von Führungskunst! Denn ja, irgendwie kann man schon führen. Es jedoch gut zu machen, ist eben eine Kunst.

Eine Kunst, die heute in politischen Kreisen leider nicht mehr zu finden ist.

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Über den Autor: la scala

Jg. 1965, 1 Sohn, 1 Tochter, Liebenfels / Kärnten und Wien. Synergiensuche von Selbst & Markt, Führung & Kunst, Philosophie & Trendforschung, Spiritualität & Wirtschaft. Berufsmosaik: Studium Grafik-Design & Werbewissenschaften; bis 2000 geschäftsführende Gesellschafterin einer Werbeagentur in Wien 19 mit 16 Mio. Umsatz und 12 Mitarbeitern. Kunden: CA-BA, Procter & Gamble, SCA, Rosenthal, Cincinnati Extrusion, Peithner KG etc. Ab 2000 vielfältige Ausbildungen in Coaching, Therapie und Gesundheit (4-jähriges Diplomstudium der Kunsttherapie; Stressmanagement, TCM-Diätetik, Systemisches Coaching, Mentaltrainings, Psychosomatik, Lebens- und Sozialberatung, Unternehmensberatung u.a.). Seit 7 Jahren als „Selfness & Business Coach“ tätig. Buchveröffentlichung "Die einfachen Wunder der Gesundheit - ein Selfness-Coaching". EU-Zertifizierung als Erwachsenenbildnerin (Andragogin). Gründung des Instituts für Zukunftskompetenzen. Derzeitiger Schwerpunkt in der Lehrkonzeption für aktuelle Themen und Ableitung von vermittelbaren Zukunftskompetenzen. Mehrere Publikationen, darunter Der Zukunftskompass®. 2015 bis 2019 auf Segelweltreise. 2020 Engagement in Gesellschafts- und Krisenthemen.

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