…also ich schon. Sogar mehrere.
 
Bevor Sie mich nun einer allzu liberalen Partnerschaftsauffassung verdächtigen, möchte ich einbringen, dass wir nicht nur in einer Zweierbeziehung Verhältnisse leben. 
Eines mag das Leben versüßen – ein anderes kann es verderben. Es kann platonisch oder leidenschaftlich sein, interessens- oder herzensgesteuert. Und glücklich der, der das beste Verhältnis (zwischen sich und anderen) leben kann.
 
Beziehungen – wir haben sie in vielfältigster Art und Weise. Und wenn eine davon nicht mehr trägt, sondern hindert… dann fragen wir uns, ob es noch in einem Verhältnis steht. 
 
Ein Verhältnis sollte verhältnismäßig gut in einem gesunden Verhältnis zu uns selbst stehen! (CSH;-)
 
Wollen wir doch mal unsere Verhältnisse im derzeitigen Leben begutachten…
 
Wie steht es um ihr Verhältnis zu Ihrem Partner?
… zu Ihrer Arbeit?
… zu Ihrer Familie?
… zu Ihren Freunden?
… zu Ihrer Gesundheit?
… zu Ihrer Selbstverwirklichung?
… zu Ihrer Selbstverantwortung?
und wie zu Ihrer Lebensfreude?
 
Diese Fragen haben mich in den letzten Monaten auf neue Art und Weise beschäftigt. Denn erstmals wurde strikt vorgegeben, wie mein Verhältnis zu mir, zu Familie, Freunden, Arbeit und meiner Gesundheit zu sein hat. Aber dennoch kann ich gleichzeitig wiederum ein eigenes Verhältnis zu eben diesen Verhältnissen aufbauen, welches ein völlig anderes ist.
 
Die Demut gibt jedem, auch dem einsam Verzweifelnden, das stärkste Verhältnis zum Mitmenschen und zwar sofort, allerdings nur bei völliger und dauernder Demut. (Franz Kafka)
 
„Schon gehört? Die beiden haben ein Verhältnis miteinander!“ – Wie schön, wenn mit dem Wort „Verhältnis“ eine Beziehung zweier Menschen ausgedrückt wird, die nicht offenkundig ist. Ein Verhältnis ist also nicht immer offiziell. Und egal, ob zu Menschen oder einem Umstand – wir haben dabei immer eine intime Beziehung zum Leben. Und die ist Maßstab für all unsere Entscheidungen.
 
Ich finde, das passt perfekt in diese Zeit. 
Wenn Menschen etwas von sich preisgeben, sich outen, geben sie Einblick in diese intime Beziehung, ganz gleich, ob es eine Liebe zu einem Menschen oder die zu Wahrheit oder Gerechtigkeit ist. 
Sogenannte Whistleblower können ihr schmerzhaftes Verhältnis zu bestimmten Unverhältnismäßigkeiten nicht mehr für sich behalten und müssen es offiziell kundtun. Es befreit sie, auch wenn sie damit ihre Existenz aufs Spiel setzen. Es muss also in uns Menschen etwas geben, das uns dazu drängt.

Woher kommt das?
 
Ich denke, jeder, der schon mal ein (geheimes) „Verhältnis“ hatte, weiß, dass es ab einem bestimmten Zeitpunkt belastet. Es schränkt die Freiheit ein. Was zu Beginn ein Anreiz oder ein Spiel war, wird nach und nach bitterer Ernst. Es bindet Energie und hindert uns am Fortkommen. Irgendwann ist der Druck so groß, dass ein Befreiungsschlag nötig wird. Dann kommt es ans Licht. Und so schmerzvoll es auch sein mag – es erleichtert!
 
Ein wichtiger Punkt der Lebensweisheit besteht in dem richtigen Verhältnis, in welchem wir unsere Aufmerksamkeit teils der Gegenwart, teils der Zukunft widmen, damit nicht die eine uns die andere verderbe. (Arthur Schopenhauer)
 
Heute scheint es, dass jemand, der ein gesundes Verhältnis zur Welt und seiner Eigenverantwortung pflegt, vielleicht sogar noch seine eigene Vernunft benützt – ebenso schief angesehen wird, wie jener, der vor Jahren in einem leidenschaftlichen Verhältnis abseits der ehelichen Normen ertappt wurde. 
Damals wie heute ist Moral ein gesellschaftliches Konstrukt. Eine Ethik mag jedoch ganz andere Ziele zeigen. (Ich weiß, dass es hier vielfältige Definitionen gibt).
 
Ich traf in den letzten Wochen zu 90% Menschen, die ihr Verhältnis zur derzeitigen Situation geheim halten, es also nicht öffentlich kundtun, es aber dennoch leben. Wie ein betrogener Ehepartner, wähnt sich die Öffentlichkeit bestätigt, ohne zu ahnen, dass ihre Beziehung zum einzelnen Menschen nicht so ist, wie sie scheint.
 
Die allgemeine Schiefheit der Menschen in allen bürgerlichen Verhältnissen und ihre allgemeine Verhärtung im gesellschaftlichen Zustand ist eine Folge der innern Verstümmelung der Naturkräfte. (Johann Heinrich Pestalozzi)
 
Was also tun, wenn wir verschiedene Verhältnisse haben, die „unverhältnismäßig“ sind? Als Coach würde ich einem Klienten raten, es zu klären. Idealer Weise, wie die alten griechischen Philosophen, bei einem Spaziergang durch die Natur, denn diese rückt manches wieder ins rechte Licht.
Klären geschieht zunächst in sich selbst, doch dann immer in der daraus resultierenden veränderten Haltung zur Umwelt. In Coachings und Beratungen ist es ein offenes Geheimnis, dass sich alles um einem verändert, wenn man sich selbst verändert. Zu glauben, dass man bereits weiß, wie andere denken und handeln, ist anmaßend und meistens falsch.
Umso mehr erstaunt es, dass wir immer wieder zurückfallen in längst überholte Gefängnisse, die wir uns selbst bauen. Dabei kommt meist so zurück, wie wir in den Wald hineinrufen.
 
Die Verhältnisse ändern sich, wenn sich unser Verhältnis dazu ändert. (Michael Richter)
 
 
Wie steht es also mit unseren Verhältnissen im Umgang mit uns selbst und der Welt?
 
Wie steht es mit unserem Drang nach Erleichterung?
 
Es wird Zeit zu fragen. 
Es wird Zeit zu antworten.
Es wird Zeit…
 
… die Verhältnisse zu klären.
 
Ihre
Cornelia Scala-Hausmann

Es hilft uns nichts, das Böse zu verneinen; gegen das Böse hilft uns nur, die Welt so mit Gutem anzufüllen, daß schließlich das Böse keinen Platz mehr hat. Und so hilft es uns nichts, den Krieg zu beklagen; vor dem Krieg schützt uns nur ein Verhältnis der Nationen, in dem sie sich zusammenwirkend alle wohler fühlen als auseinanderstrebend. (Hermann Bahr)


 
Tipp: Es ist unverhältnismäßig – Rede Univ. Prof. Dr. Dr. Christian Schubert


Die Gegenwart ist im Verhältnis zur Vergangenheit Zukunft, ebenso wie die Gegenwart der Zukunft gegenüber Vergangenheit ist. Darum, wer die Gegenwart kennt, kann auch die Vergangenheit erkennen. Wer die Vergangenheit erkennt, vermag auch die Zukunft zu erkennen. (Lü Bu We) 

Über den Autor: la scala

Jg. 1965, 1 Sohn, 1 Tochter, Liebenfels / Kärnten und Wien. Synergiensuche von Selbst & Markt, Führung & Kunst, Philosophie & Trendforschung, Spiritualität & Wirtschaft. Berufsmosaik: Studium Grafik-Design & Werbewissenschaften; bis 2000 geschäftsführende Gesellschafterin einer Werbeagentur in Wien 19 mit 16 Mio. Umsatz und 12 Mitarbeitern. Kunden: CA-BA, Procter & Gamble, SCA, Rosenthal, Cincinnati Extrusion, Peithner KG etc. Ab 2000 vielfältige Ausbildungen in Coaching, Therapie und Gesundheit (4-jähriges Diplomstudium der Kunsttherapie; Stressmanagement, TCM-Diätetik, Systemisches Coaching, Mentaltrainings, Psychosomatik, Lebens- und Sozialberatung, Unternehmensberatung u.a.). Seit 7 Jahren als „Selfness & Business Coach“ tätig. Buchveröffentlichung "Die einfachen Wunder der Gesundheit - ein Selfness-Coaching". EU-Zertifizierung als Erwachsenenbildnerin (Andragogin). Gründung des Instituts für Zukunftskompetenzen. Derzeitiger Schwerpunkt in der Lehrkonzeption für aktuelle Themen und Ableitung von vermittelbaren Zukunftskompetenzen. Mehrere Publikationen, darunter Der Zukunftskompass®. 2015 bis 2019 auf Segelweltreise. 2020 Engagement in Gesellschafts- und Krisenthemen.

1 Kommentar

  1. Liebe Cornelia

    vielen Dank für die schöne Worte, den berührenden Text.

    Zu klären ist immer auch zu entscheiden, und das fällt oft nicht leicht.
    Klären ist ja auch sich zeigen und sich damit angreifbar machen….oder auch andere damit verletzen.
    Oft aber denkt man schon vorher für andere Menschen und traut ihnen eine eigene Meinung, eine eigene mutige Entscheidung oder Reaktion gar nicht zu.

    Ich danke dir für die Impulse!
    Ich hoffe du bist gesund und munter in deinem Häuschen.

    Viele liebe Grüße aus dem heute sehr nebligen Graz

    Marietheres

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