Reflexion – die Kompetenz in Krisen.


Ich erinnere mich, fast jedes Jahr einmal die Grippe gehabt zu haben. Meistens, wenn ich mir zu viel abverlangt hatte, das Wetter mich frieren und gleichzeitig schwitzen ließ oder wenn ich zu leichtsinnig mit meinem Körper umging. 
Ein Jahr hatte ich keine – das war, als ich jede Woche 3 x in die Sauna ging. Und natürlich all die Winter, die ich nicht in Europa war. Tropisches Klima ist nunmal nichts für Grippe-Viren.
 
Die Schleimhäute feucht und warm zu halten ist der beste Schutz – wusste schon meine Großmutter aus dem 19. Jhdt. Doch dagegen arbeiten immer mehr Klimaanlagen in Büros, Zügen, Flugzeugen und Autos. Man müsste ständig Zuckerl lutschend dasitzen – was nicht immer sehr intelligent aussieht und im Schlaf etwas schwierig ist.
 
Rezept gegen die Grippe vom Leibarzt der Königin Viktoria: Man lege sich ins Bett, hänge seinen Hut ans Fußende und trinke so viel Whiskey, bis man zwei Hüte sieht. 
 
Sehr weise – denn bekanntlich vermehrt sich der neue Coronavirus im Rachenraum – eine Schnaps-Desinfektion wirkt also eindeutig tödlich auf das Virus. Wenn also jemand im Bus den Flachmann zückt – hat es derzeit andere Gründe!
 
Keiner liebt es krank zu sein – aber in Tagen wie diesen sehnt man sich sogar nach der guten alten Grippe zurück. Auch sie sorgte für Totalausfälle. Nicht nur einmal lag ich mit allen Kindern und Mann gleichzeitig krank darnieder – und Tanten mussten einspringen. Und die waren offenbar so sehr in ihrer Mitte, dass sie gesund blieben. 
Dieses Phänomen begegnet uns häufig – in Krankenhäusern, Familien, mitten in Epidemien bleiben Ärzte und Pflegepersonal in all dem verseuchten Umfeld gesund. 
 
Woran das wohl liegt?
 
Vielleicht, weil sie gebraucht werden, weil sie Sinnvolles tun, weil sie sich gar nicht fragen, ob sie krank werden könnten, weil sie es sich nicht erlauben oder weil sie anderes zu tun haben und dem Virus damit gar nicht den nötigen Nährboden bieten?
Jedenfalls nicht, weil sie angstvoll in einer Ecke sitzen und Kontakt vermeiden.
 
Die ständige Sorge um die Gesundheit ist auch eine Krankheit. (Plato)
 
Die Begleiterscheinung dieser „Pandemie“ ist: keine direkten Sozialkontakte mehr. 
Ohne Internet wären wir nun komplett isoliert und das floriert mehr denn je. Daten, Fakten… und unglaublich viel Nonsens. Aber auch viel Humor 😉 und das ist bekanntlich die beste Medizin. Von „We can get no Desinfection“ bis hin zu dem Twitter-Duell zwischen Corona und der Grippe mit mehr als einer halben Million Follower begegnet man der Epidemie mit Karikaturen und nimmt ihr den Schrecken. Selbst die Online-Gegner bemühen sich nun um die nötigen Apps um auf dem Laufenden zu bleiben – gibt es eigentlich schon eine Corona-App? 
 
Es gibt nur eine Medizin gegen große Sorgen: kleine Freuden. (Karl Heinrich Waggerl)
 
Zwischen all den Fake-News, „Durchsagen“ aus anderen Dimensionen und taktilen Manipulationen klären seriöse Arztinterviews auf, was wirklich ist – aber was hilft‘s? Gesetze verhängen Ausgangssperren und da will sich jeder rüsten und holt – höflich aber bestimmt – noch ein paar Klopapierrollen aus dem Supermarkt. Viele haben mehr Angst vor der Isolation als vor dem Virus, denn die bedeutet Ausgrenzung und Einkommensverlust. Gewollt oder nicht – alles ist jetzt kontrollierter denn je. 
 
Die Medizin ist so weit fortgeschritten, dass man kaum noch Gesunde findet. (Aldous Huxley)
 
Zurück von meiner Patagonien-Reise landete ich direkt im Krisengebiet. Ungewöhnlich. Normalerweise ist es umgekehrt. Österreich ist im Ausnahmezustand. Wer hätte das noch vor 1 Monat gedacht? Bisher waren diese Gebiete immer weit weg. Jetzt haben wir es direkt vor unserer Haustür. Sehen wir mal, wie die Österreicher damit umgehen. 
 
Not macht erfinderisch,
heißt es. Also bin ich gespannt, auf die Innovationen, die da kommen mögen. Für viele mag es wohl eine willkommene Gelegenheit sein, endlich mal einen Gang runter schalten zu dürfen. – Wer von Ihnen konnte in den letzten Jahren den März und seinen Frühlingsbeginn in aller Ruhe genießen? 
Schön wäre allerdings, wenn man es mit seiner Familie kann. Die meine ist verstreut – und derzeit können wir nicht mal zusammen… 
 
Die Regierung schnürt Unterstützungspakete. (Hätten wir bereits das Grundeinkommen, hätten wir in solchen Krisen wohl weniger Probleme!) Und wo Lehrer bei vollem Bezug freigestellt werden, Angestellte im Krankheitsfall zu Hause bleiben können, dürfen Selbstständige ihre Kreativität einsetzen, um zu überleben. Da helfen auch keine Ratenzahlungen oder Zahlungsaufschub seitens der Sozialversicherung. Die Kosten laufen weiter und der Umsatz kommt nicht wieder.
 
Um klar zu sehen, genügt oft ein Wechsel der Blickrichtung. (Antoine de Saint-Exupéry)
 
Ich hatte heuer schon zwei grippale Infekte – plus zwei normale Erkältungen. Ich war insgesamt also über drei Wochen außer Gefecht. Als Selbstständige ein Horror, aber normales Berufsrisiko. Und das seit 30 Jahren. Ich arbeite vom Bett aus. Doch 2020 ist das Jahr der neuen Dimension, nicht nur, was die Grippebekämpfung betrifft. Diesmal wird meine Kreativität enorm gefordert. 
 
Ab dem 2. Tee mit Rum entdeckt man neue Seiten an der Krankheit.
 
Während jetzt also draußen die Wirtschaft zum Erliegen kommt, halte ich meine eigene so gut es geht am Laufen. Und wenn es nur die Hauswirtschaft ist 😉 Lasse mich von dem einzig gefährlichen nicht anstecken: der Angst. Und erfülle die Erwartung an Selbstständige: Eigenverantwortung. 
 
Hoffnung und Freude sind die besten Ärzte. (Wilhelm Raabe)
 
Aber wenden wir den Blick doch einmal weg von dieser Szenarie hin zu einem „normalen“ Leben. Nachdem Shoppen als Ablenkung auch nicht mehr funktioniert (schon online versucht?), die Kaffeehäuser auch geschlossen sind, haben wir genügend Zeit, uns mit uns selbst zu beschäftigen (vorausgesetzt, wir verfallen nicht Netflix oder Prime).
 
Nebenbei träufeln wir gegen die Grippeviren Thymian und Grapefruitöl auf die Duftlampe 😉 und lassen uns ein heißes Meersalzbad ein. 
 
Die 3. Zukunftskompetenz ist Reflexionskompetenz – So lassen Sie uns diese unfreiwillige Auszeit dafür nützen, das Leben, die Arbeit, die Beziehungen und vor allem diese Krise zu reflektieren… 
 
Und wenn Sie liegen müssen – ab dem 3. Tee mit Rum beginnt es Spaß zu machen!
 
Reflektieren wir also. 
Was meinen Sie denn, ist in Ihrem Leben gut gelaufen? Und weshalb?
 
Machen Sie sich nichts daraus, wenn die Liste nicht besonders lang ist. Bekanntlich lernen wir nur durch Fehler – und deren Nutzen erkennt man leider immer erst lange hinterher. 
Gehen wir in die Gegenwart. Denn ändern können wir weder das Gestern noch das Morgen – nur das Heute. (Teilweise 😉
 
Was wäre, wenn es diese Krise das Beste wäre, das uns passieren könnte? 
Blöde Frage?
 
Nun, im Coaching stellt man sich immer wieder die berühmte Wunderfrage: „Wenn Sie morgen aufwachen und es ist ein Wunder geschehen – woran würden Sie es merken?“
 
Noch einen Tee mit Rum?
 
Ich lehne mich jetzt mal ganz weit aus dem Fenster und stelle mir vor, dass ALLES möglich wäre…  und aus dieser Situation heraus blicken wir auf das Heute und sehen sofort, was wir ändern müssten, um unser Wunder zu erreichen…
 
Zu komplex?
 
Ok, dann einfacher: Reflektierend ausmisten ist angesagt!
Breiten Sie einfach mal alle Verpflichtungen, Sorgen und Projekte etc. vor sich am Boden aus und heben nur diejenigen wieder auf, die Sie unbedingt und wirklich wollen!

…und warum wollen Sie die?
 
Jetzt sind wir mitten im Reflektieren. Eigentlich sollten wir das jeden Tag machen. Spätestens vor dem Schlafen gehen. Dafür gibt es sogenannte Tagebücher. Was gelang heute gut, was nicht so gut – wofür liebe ich mich, und wofür hasse ich mich… oder andere 😉 
Dem Tagebuch (oder Privaten Projektbuch namens Leben) können wir alles anvertrauen. Und es tut gut, die Dinge los zu werden – sie sich (wenn schon nicht zu reden, dann wenigstens) von der Seele zu schreiben. 
 
Und laut Dahlke ist Husten nur ein Symptom, das aufgestaute Aggressionen kund tut, Schnupfen das Zeichen, dass man die Nase voll hat und Grippe ein Weg, sich Grenzen zu setzen. 
Haben wir also ein alljährliches Volkssyndrom, das sich in Form einer Pandemie Luft macht?
 
Die Bildung kommt nicht vom Lesen, sondern vom Nachdenken über das Gelesene. (Carl Hilty)
 
Wie auch immer Sie sich nun zurückziehen – ich wünsche Ihnen eine wunderbare Auszeit! Nützen Sie sie für sich selbst und Ihre eigene Entwicklung und Regeneration. Denn der nächste Sommer kommt bestimmt!
 
Mit viralen Grüßen
Ihre
Cornelia Scala-Hausmann

***

Corona-Specials

Ich setze meine Arbeit wie gewohnt fort – nachfolgend ein paar krisenfeste Angebote 😉

Über den Autor: la scala

Jg. 1965, 1 Sohn, 1 Tochter, Liebenfels / Kärnten und Wien. Synergiensuche von Selbst & Markt, Führung & Kunst, Philosophie & Trendforschung, Spiritualität & Wirtschaft. Berufsmosaik: Studium Grafik-Design & Werbewissenschaften; bis 2000 geschäftsführende Gesellschafterin einer Werbeagentur in Wien 19 mit 16 Mio. Umsatz und 12 Mitarbeitern. Kunden: CA-BA, Procter & Gamble, SCA, Rosenthal, Cincinnati Extrusion, Peithner KG etc. Ab 2000 vielfältige Ausbildungen in Coaching, Therapie und Gesundheit (4-jähriges Diplomstudium der Kunsttherapie; Stressmanagement, TCM-Diätetik, Systemisches Coaching, Mentaltrainings, Psychosomatik, Lebens- und Sozialberatung, Unternehmensberatung u.a.). Seit 7 Jahren als „Selfness & Business Coach“ tätig. Buchveröffentlichung "Die einfachen Wunder der Gesundheit - ein Selfness-Coaching". EU-Zertifizierung als Erwachsenenbildnerin (Andragogin). Gründung des Instituts für Zukunftskompetenzen. Derzeitiger Schwerpunkt in der Lehrkonzeption für aktuelle Themen und Ableitung von vermittelbaren Zukunftskompetenzen. Mehrere Publikationen, darunter Der Zukunftskompass®. 2015 bis 2019 auf Segelweltreise. 2020 Engagement in Gesellschafts- und Krisenthemen.

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