Das Wechselspiel der Informationen hat in den letzten Monaten viele an ihre Grenzen gebracht. Wie immer in solchen Situationen folgt daraus entweder ein Kompetenzwachstum oder auch ein -verlust. Je nach emotionaler Verfassung.

Welch Freude, wenn ich dann in Zukunftsforschungsberichten1 von einer neuen emotionalen Kompetenz seitens der Kunden lese!

Führt uns die Krise zu mehr Selbstbestimmung in Sachen Emotion? Können sich immer mehr Menschen von den medialen Wechselduschen unabhängig machen und stabil in ihren Emotionen sich selbst und der Welt gegenüber bleiben…?

…Können Sie es?

Souverän zu sein ist viel mehr als eine Methode. Souveränität ist das tiefe Wissen um Wert und Würde. (Harald Berenfänger)

Auf dem Weg zu emotionaler Souveränität werden zwei Parameter genannt: Empathie und Respekt. Sie geben uns hilfreiche Werkzeuge in die Hand (oder besser gesagt: in die Emotion – aber eigentlich durch die Erkenntnis in unser Bewusstsein), die uns tatsächlich souveräner werden lassen. Empathisch gegenüber den Situationen anderer und respektvoll trotz fremder Ansichten zu bleiben mag oft herausfordernd sein – ist aber ein guter Übungsweg zu einem selbstbestimmten und damit freien Leben. 

Souveräne Menschen sind immer emotional ausgeglichen. Sonst wären sie es nicht. Wir finden eine Person dann souverän, wenn sie einer Situation „gewachsen“ ist. Sich nicht aus dem Gleichgewicht bringen lässt. Ihre Werte und Prinzipien nicht aus den Augen verliert. Und oft spricht man von den bewunderten „Felsen in der Brandung“. 

Souveränität wird  nicht von außen übertragen und verliehen, Souveränität muss man beanspruchen und sich nehmen. Nicht ohne Grund bezeichnet das Attribut ‚souverän‘, wenn man von Charakteren spricht, eine innere Haltung, die das Gesetz ihres Handelns selbstbestimmt aus dem Eigenen bezieht und sich nicht von anderen dominieren und ihren Willen aufzwingen lässt. An dieser Souveränität fehlt es nicht nur Politikern, sondern dem Gemeinwesen als Ganzem. (JF)

Emotionen können absichtlich bei anderen erzeugt werden, davon leben u.a. Werbeagenturen. (Ich selbst hatte ja damit einige Jahre gut und gern in Wien mein Geld verdient.) In diesem Bewusstsein erkennen wir, dass unsere Gefühle eben nicht immer die Felsen sind, auf die wir bauen können – sondern dass es vielmehr unser Erkennen der Ursache ist, welches uns die Wahrheit liefert. Dieser Umgang mit Emotionen, Empfindungen oder Gefühlen (da gibt es Unterschiede2) sollte erlernt worden sein, um sich nicht (fremd)steuern zu lassen. Wir kennen das von klein auf aus unseren Erfahrungen mit Eltern, Cliquen, Lehrern, Kollegen, Chefs und Partnern. Manipulation erfolgt nur allzu leicht durch ein Hervorrufen von Gefühlen, die uns unbewusst leiten. 

Wer nicht souverän sein kann, wird leicht diktatorisch. (Paul Mommertz)

Interessant fand ich bei meiner Trendrecherche auch, dass es zunehmend nicht mehr um Lösungen geht, sondern um Werte! Eine Lösung um jeden Preis wird mehr und mehr indiskutabel. Fokussierte Strategien weichen systemischen – denn helle Köpfe haben begriffen, dass so manche Strategie mehr Schaden als Nutzen bringt, auch wenn sie ein konkretes Problem zu lösen scheint.

51 Prozent befragter Österreicher(innen) glauben, dass es durch und nach der Krise extreme Veränderungen geben wird. (siehe Grafik) Und das vor allem in sozialen Kontakten, die vielen fehlen und so nachweislich vor allem bei Kindern zu psychischen Schäden führen.

Dass hier bei aller Distanz ganz besonders soziale Kompetenz gefragt ist, ist wohl unbestritten. Sollte hier eine „neue Normalität“ drohen, braucht es die nächste Innovation in Form eines Mind-Shifts! Hier müssen wir lernen, trotz aller Beeinflussungen und Manipulation, Fakes und Realitäten, Ängsten und Unbequemlichkeiten authentisch zu agieren. Authentisch in all unserer Rollenvielfalt. Denn jetzt geht es um soziale – und damit auch um wirtschaftliche, gesellschaftliche, politische – Gesundheit, in der die individuelle immer eingebettet ist.

Dürfte ich für mich philosophieren, könnte ich bemerken, dass es ein Zeichen großer Souveränität ist, zu verhandeln, statt unmittelbar zu handeln, solange noch nicht der ganze Verhandlungsspielraum ausgeschöpft ist. (Herbert Winter)

Wir haben diese Krise global gemacht. Und damit haben wir die Chance, global etwas zu verändern, was jeder Einzelne emotional souverän steuern kann, anstatt sich steuern zu lassen. Es entstehen neue soziale Netzwerke – abseits von politischen Einrichtungen – die in eine neue Zeit aufbrechen. Wir wachsen schließlich an Herausforderungen, indem sie unser Streben nach Freiheit stärken. Und ich kann es nicht besser formulieren als Ernst Jünger, deutscher Publizist:

 „Souveränität… wird man heute weniger in den großen Entschlüssen finden als im Menschen, der in seinem Inneren der Furcht abschwört. Die ungeheuren Vorkehrungen sind gegen ihn allein gerichtet, und dennoch sind sie im letzten für seinen Triumph bestimmt. Diese Erkenntnis macht ihn frei. Dann sinken Diktaturen in den Staub. Hier liegen die kaum angeschürften Reserven unserer Zeit, und nicht nur der unseren. Diese Freiheit ist das Thema der Geschichte überhaupt und grenzt sie ab: hier gegen die Dämonenreiche, dort gegen das bloß zoologische Geschehen. Das ist im Mythos und in den Religionen vorgebildet und kehrt stets wieder, und immer erscheinen die Riesen und Titanen in gleicher Übermacht. Der Freie fällt sie; er braucht nicht immer ein Fürst und Herakles zu sein. Der Stein aus einer Hirtenschleuder, die Fahne, die eine Jungfrau aufnahm, und eine Armbrust haben schon genügt.“ 

Vielleicht ist nun die Zeit angebrochen, in der sich die scheinbare Souveränität eines Staates zu einer echten Souveränität des Volkes hin verlagert?!

Wir erleben, was zentralistische Gewalt bewirken und auch zerstören kann. Auch eine Souzeränität ist offenbar nicht der Weisheit letzter Schluss. Vielmehr entsteht ein neues Verständnis der Gleichberechtigung aus dem heraus, was einen Staat bildet: der Bevölkerung. 

Vielleicht kommt die Zeit, in der wir Menschen soweit erwach(s)en, dass wir die Verantwortung für uns partizipativ übernehmen und gestalten können. Fachkompetenz durch alle Ebenen der Gesellschaft – für und wider abwägend, ohne politischen Zwang. Ein interessanter Impuls dazu ist die Soziale Dreigliederung von Dr. Steiner, in der die individuelle Freiheit in Bildung & Kultur mit der Gleichheit im Rechtsleben und einer Brüderlichkeit im Wirtschaftsleben durch kompetente Fachkräfte direkt aus dem Volk gestaltet wird. Lobbyismus würde hier einem Gemeinwohl weichen, das der Gesellschaft bestmöglich gibt, was zur Entwicklung gebraucht wird. 

Es gibt keine einzelne politische Idee, die im Laufe der letzten Jahrhunderte eine ähnliche Wirksamkeit ausgeübt hätte, wie die Volkssouveränität. Zuweilen zurückgedrängt […], aber dann wieder hervorbrechend, offen bekannt, niemals realisiert, und immer eingreifend, ist sie das ewig bewegliche Ferment der modernen Welt. (Leopold von Ranke)

Ich blicke also guter Dinge auf die Krisen, die da noch kommen werden, in der Hoffnung, dass bei immer mehr Menschen die Souveränität erwacht.

Mit souveränen Grüßen

Cornelia Scala-Hausmann

Fußnoten:

  1. https://www.zukunftsinstitut.de/artikel/marketing/emotionen-marke-der-stoff-aus-dem-das-marketing-von-morgen-gemacht-ist/

2. – mehr dazu in meinem Buch Der Zukunftskompass®

Über den Autor: la scala

Jg. 1965, 1 Sohn, 1 Tochter, Liebenfels / Kärnten und Wien. Synergiensuche von Selbst & Markt, Führung & Kunst, Philosophie & Trendforschung, Spiritualität & Wirtschaft. Berufsmosaik: Studium Grafik-Design & Werbewissenschaften; bis 2000 geschäftsführende Gesellschafterin einer Werbeagentur in Wien 19 mit 16 Mio. Umsatz und 12 Mitarbeitern. Kunden: CA-BA, Procter & Gamble, SCA, Rosenthal, Cincinnati Extrusion, Peithner KG etc. Ab 2000 vielfältige Ausbildungen in Coaching, Therapie und Gesundheit (4-jähriges Diplomstudium der Kunsttherapie; Stressmanagement, TCM-Diätetik, Systemisches Coaching, Mentaltrainings, Psychosomatik, Lebens- und Sozialberatung, Unternehmensberatung u.a.). Seit 7 Jahren als „Selfness & Business Coach“ tätig. Buchveröffentlichung "Die einfachen Wunder der Gesundheit - ein Selfness-Coaching". EU-Zertifizierung als Erwachsenenbildnerin (Andragogin). Gründung des Instituts für Zukunftskompetenzen. Derzeitiger Schwerpunkt in der Lehrkonzeption für aktuelle Themen und Ableitung von vermittelbaren Zukunftskompetenzen. Mehrere Publikationen, darunter Der Zukunftskompass®. 2015 bis 2019 auf Segelweltreise. 2020 Engagement in Gesellschafts- und Krisenthemen.

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