Kennen Sie diesen Spruch? Ich hörte ihn das erste mal als Teenager von meiner (manchen schon bekannten) Großmutter*. Er geht aber noch weiter:
 
…denn das Denken der Gedanken
Ist gedankenloses Denken…

 
Schon damals faszinierte mich der Spruch so sehr, dass ich ihn mit ein paar anderen (zum Leidwesen meines Vaters, der sie frisch lackiert hatte) auf meine Zimmertür schrieb.
 
Für Großmutter hatte dieser Spruch auch besondere Bedeutung. Hatte sie doch einiges an gedankenlosem Denken mit Höhepunkt zweier Weltkriege erlebt. 
 
…denn wenn du denkst, du denkst,
dann denkst du nur du denkst…

 
Meine Tochter zeigte mir unlängst ein „Meme“, in dem Zeitreisende das Jahr 2020 aus dem Zeitrechner gestrichen hatten. Und zwar nicht wegen eines Virus. Humor hilft Menschen, unglaubliche Dinge zu verarbeiten – eine Auswahl dieser Memes habe ich weiter unten zusammengestellt – damit wir wenigstens ein bisschen was zu lachen haben.
 
…aber denken tust du nie!
 
Nathalie ist immun gegen Medienmanipulation – seit dem 5. Lebensjahr. Damals hatte ich noch meine Werbeagentur in Wien. Und eines Tages kam sie mit knapp 5 Jahren ziemlich aufgeregt in mein Büro gelaufen, „Mama, Mama! Wir müssen unbedingt Happy Day Orangensaft kaufen!“ Als ich sie auffing und fragte, „Warum das denn?“ meinte sie mit großen Augen: „Weil er der beste von allen ist!“ – „Wie kommst du da drauf?“ – „Ich habs gesehen!“ – Wo denn? – „Im Fernsehen!“
Lange Rede kurzer Sinn – sie hatte bei einer Freundin einen Werbespot im Fernsehen gesehen (denn in unserem Hause gab es aus gutem Grund bereits schon länger kein Fernsehgerät mehr).
 
„Komm mal mit!“ ich nahm sie an die Hand, führte sie zu meinem Arbeitsplatz, setzte sie auf meinen Schoß, startete den Computer und rief eine Werbekampagne für ein bekanntes Waschmittel auf. 
„Du weißt, dass ich eine sogenannte Werbeagentur** habe und für Menschen, die etwas verkaufen wollen, Werbung mache, das heißt, ich mache Dinge so schön, dass jeder sie haben will?“. Sie nickte und schaute gespannt in den Computer. 
Ich zeigte ihr Werbespots, Fotos und las ihr die Texte vor… zeigte ihr wie sie gemacht wurden… wie die Videos konstruiert werden – kurz: enttarnte die schöne Fassade der Werbung. Dann fragte ich sie „Warum glaubst du, machen wir das?“ Sie schaute mich fragend an. „Weil diejenigen, die das Waschmittel herstellen, es auch verkaufen wollen. Das tun sie, indem sie sagen, dass es das Beste ist. Das stimmt aber nicht! Andere sind oft genauso gut oder sogar besser.“
Ich konnte richtig zusehen, wie etwas in dem kleinen Köpfchen passierte… 
„Warum machst du das dann?“ fragte sie mich mit großen Augen. „Gute Frage – eigentlich will ich das gar nicht – eigentlich möchte ich nur Gutes bewerben. Aber leider kann ich davon allein nicht leben…“  (Das änderte sich jedoch sehr bald danach 😉 )
 
Wenige Wochen später war Weihnachten und ich traf eine Mutter aus dem Waldorf-Kindergarten. Wir kamen ins Plaudern und sie lachte, als es um die Weihnachtsgeschenke ging. „Deine Nathalie ist eine Nummer!“ meinte sie. „Als meine Dora ihr erzählte, was sie sich wünscht und es dabei um eine besondere Puppe ging, meinte deine Tochter mit einem altklugen Abwinken: ‚Ach was, das ist alles nur Werbung!‘ Ich traute meinen Ohren kaum!“
 
Tja, offenbar hat es gefruchtet. Bis heute. Fernsehen war in unserem Hause verpönt. Denn es gab einen krassen Unterschied in dem Verhalten meiner Kinder, seit er „kaputt“ war. Und zwar zum Besseren. 
Daher tun wir uns heute wohl schwerer als Andere im Vertrauen auf Medien und ihren Meldungen und litten schon seit März an schwerer Unvereinbarkeit zwischen den Meldungen und unserem logischen Denken.
 
Seit März wird mein Verstand und damit mein Denken derart beleidigt, dass ich mit dem Studium der Erkenntniswissenschaften begonnen habe. Das macht die Sache nicht unbedingt besser – denn so wird man erst recht auf sämtliche Falschdenkprozesse aufmerksam. Aber zumindest konnte ich mein Denken, meinen Verstand und meine Vernunft im eigenen Hoheitsgebiet halten und nicht in einer Fremdübernahme verlieren. 
Aus diesem Grunde engagiere ich mich auch seither in diversen NGOs zur Faktensammlung.
 
Meine Tochter und ich haben für uns den Spruch auch vor kurzem umgeändert: 
Denkst du auch, gedacht zu haben?
Ist das Denken der Gedanken auch gedankenvolles Denken?
Wenn du denkst, du denkst,
denke, WIE du denkst!
Aber fremddenken lass‘ dich nie!“

 
😉
 
In diesem Sinne fordere ich Sie auf, Ihren Verstand zu pflegen und zu nützen!
Er verkümmert sonst. Und was würde uns dann noch als Mensch vom Tier unterscheiden?

Ihre
Cornelia Scala-Hausmann
 
 
*1896 – 1983
** CU – see you – Werbeagentur mit 12 Mitarbeitern in Wien 19

Kontakt:
www.lascala.cc
www.zukunftskompass.at

Über den Autor: la scala

Jg. 1965, 1 Sohn, 1 Tochter, Liebenfels / Kärnten und Wien. Synergiensuche von Selbst & Markt, Führung & Kunst, Philosophie & Trendforschung, Spiritualität & Wirtschaft. Berufsmosaik: Studium Grafik-Design & Werbewissenschaften; bis 2000 geschäftsführende Gesellschafterin einer Werbeagentur in Wien 19 mit 16 Mio. Umsatz und 12 Mitarbeitern. Kunden: CA-BA, Procter & Gamble, SCA, Rosenthal, Cincinnati Extrusion, Peithner KG etc. Ab 2000 vielfältige Ausbildungen in Coaching, Therapie und Gesundheit (4-jähriges Diplomstudium der Kunsttherapie; Stressmanagement, TCM-Diätetik, Systemisches Coaching, Mentaltrainings, Psychosomatik, Lebens- und Sozialberatung, Unternehmensberatung u.a.). Seit 7 Jahren als „Selfness & Business Coach“ tätig. Buchveröffentlichung "Die einfachen Wunder der Gesundheit - ein Selfness-Coaching". EU-Zertifizierung als Erwachsenenbildnerin (Andragogin). Gründung des Instituts für Zukunftskompetenzen. Derzeitiger Schwerpunkt in der Lehrkonzeption für aktuelle Themen und Ableitung von vermittelbaren Zukunftskompetenzen. Mehrere Publikationen, darunter Der Zukunftskompass®. 2015 bis 2019 auf Segelweltreise. 2020 Engagement in Gesellschafts- und Krisenthemen.

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