Seneca nannte die Arbeit eine „Nichtmuße“…. doch für mich und viele andere gibt es einen Teil „Arbeit“, der sich wie Muße anfühlt. Es ist der Teil, in dem wir Neues erschaffen können, kreativ sind und keinen Druck haben.

Das gibt es?

Ja, das gibt es. Und es wird immer wichtiger, dass es das gibt. Im letzten Zukunftsdialog mit Prof. Paul Kellermann und beim letzten Open Dialog mit Frithjof Bergmann kam das Thema sehr stark zur Sprache. Laut Kellermann wird in Bildung, Wirtschaft und Arbeit falsch gedacht – und es beginnt eigentlich schon ganz am Beginn eines jeden Menschenlebens, bei der Erziehung. Die Erziehung ist die Zukunft des Staates – wusste schon Platon und Kellermann, wie auch Bergmann sehen die Zukunft unserer Arbeit ist den immer steigenden, jedoch tatsächlichen, nicht künstlich erzeugten Bedürfnissen des Menschen. (Hier geht auch Nefiodow konform).

Jetzt frage ich Sie:
Wo liegen Ihre ureigensten Bedürfnisse?
Gäbe es hier generell einen Bedarf?
Gäbe es hier Möglichkeiten, eine „Arbeit“ zu erschaffen, die diesen Bedarf deckt – auch für andere?

Bergmann geht davon aus, dass die neuen Bedürfnisse eine Neue Wirtschaft und damit eine Neue Arbeit hervorbringt, die zu einem Drittel der eigenen Autonomie – zu einem Drittel dem Gemeinwohl dient – und zu einem Drittel genau das ist, was der/diejenige wirklich, wirklich will.

Wir erschaffen unsere Berufe mehr und mehr neu – und wenn es uns gelingt, alte, industrielle Muster zu verlassen – auch zu unserem eigenen Besten. Manche Unternehmen haben hier schon reagiert und auf der ganzen Welt Zentren für Neue Arbeit geschaffen.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine schaffungsreiche Zeit, die Ihre eigenen Bedürfnisse in allen Bereichen des Lebens stillen möge!

Ihre
Cornelia Scala-Hausmann

Wenn Jugendliche mit brennendem Interesse am Gestalten der Welt die erste Schulexkursion zum AMS erleben, bricht meist eine Welt zusammen. Mit niederschmetternder Sicherheit wird kommuniziert, dass Interessen und Talente, wie Geologie, Meeresbiologie, Dolmetsch in Chinesisch, Astronomie etc. keine Zukunftschancen hätten!!

Dabei weiß jede/r ZukunftsforscherIn, dass die Berufe der Zukunft noch kaum bekannt sein können, weil sie sich derzeit erst entwickeln.
Jede/r NachhaltigkeitsaktivistIn weiß, dass Berufe, die unsere Natur erhalten werden können, mehr und mehr gebraucht werden!
Jede/r BildungsforscherIn weiß, dass sich Berufe individueller zusammensetzen werden, fundamentiert am persönlichen, einzigartigen Interesse und Talent!

Ist es da ein Wunder, wenn Jugendliche keine Perspektive haben, keine Freude daran verspüren, in einen Markt einzusteigen, der an Ihren Interessen vorbei geht?

Eine Kooperation in diese Richtung ist aus unserem letzten Open Space Congress ZUKUNFTSKRAFT:ARBEIT entstanden. Die Waldorfschule Klagenfurt hat in Ihrem Lehrplan bereits „Zukunftskompetenzen“ integriert und wird im Juni in der Klagenfurter Innenstadt einen offenen Raum zum Thema schaffen. Am 28. Juni sind wir mit einem Dialog vor Ort.

Auch andere Schulen reagieren bereits, denn es ist Zeit:

Wir müssen Zukunftskompetenzen ermöglichen, nicht beschneiden!

Ihre
Cornelia Scala-Hausmann

… bei der letzten Studie, die vom Institut für Zukunftskompetenzen für Österreich in Auftrag gegeben wurde, antworteten über 70% mit „Ja.“
Teilweise, weil es heutzutage nicht selbstverständlich erscheint, Arbeit zu haben. Teilweise, weil der Mensch Arbeit braucht, um sich zu definieren und auszudrücken. Teilweise, weil man wirklich der Arbeit nachgehen kann, die man sich gewünscht hat.
Diese Studie, die Sie in diesem Buch im Detail finden, war sehr umfangreich und die Befragung dauerte beinahe eine Stunde. Wer macht bei einer solchen Studie mit? Richtig. Menschen, die sich dafür interessieren und damit auseinandersetzen wollen. Menschen, für die Arbeit wichtig ist.
Doch auf die Frage, ob diese Menschen nun Energie aus ihrer Arbeit ziehen können, antworteten nurmehr 13% mit „Ja“.

Gehen Sie mit mir auf eine Zeitreise:
Wir gehen zurück als man Sie, liebe Leserin, lieber Leser, begann zu fragen, was Sie einmal werden wollten.
Sie erinnern sich?
Was haben Sie damals genannt?
Wie ging es weiter?
– Lehre? Studium? – war es das, was Sie brennend interessiert hat?
Was waren die Hintergründe und die Motivation für Ihre Wahl?
Was wollten Sie damals in der Welt erreichen, was bewegen?

Diese Fragen stellt man sich zuwenig oft im Leben. Die meisten stellen sie sich
nie mehr, wenn ein Beruf einmal ergriffen wurde.
… doch immer mehr fragen es sich Jahrzehnte später erneut – wenn die Energie
ausgeht, wenn sie erschöpft sind, keinen Sinn mehr in Ihrer „Tretmühle“ sehen.
„Was tu ich da eigentlich?“
„Ich kann so nicht mehr weiter….“
„Nur noch 13 Jahre bis zur Pension….“
„Wozu das ganze…?“
Etc.

Jeder hat mal diese Phasen. Solange es danach wieder bergauf geht, Energie generiert werden kann, wird es durchgehalten. Wenn nicht – wenn nur noch Energie verbraucht wird, keine neue nachkommen kann, dann sprechen wir von unserer heutigen Volkskrankheit in der westlichen Welt – dem Burn Out. Meistens ist es nur eine leichte Stufe und man kann es zeitgerecht abfangen. Anders bei den schweren Fällen, die kaum mehr in den Arbeitsprozess eingegliedert werden können.

Wie konnte es soweit kommen?
Dazu müssen wir uns fragen: Woher ziehen wir Energie?
Viele meinen, es muss die richtige Arbeit sein, damit sie uns Energie bringt.
„Jein“.
Zum einen sollte man eine Arbeit wählen, die den eigenen Talenten und Interessen voll entspricht, wo man sich verwirklichen und ausdrücken kann. Wenn dort jedoch nur Druck herrscht, kaum Anerkennung, ein mieses Arbeitsklima bis hin zu Mobbing…. werden Sie sich trotzdem wegwünschen. Zum anderen meinen Menschen, die schwere Schicksalsschläge erlitten haben und eine unendliche Dankbarkeit spüren, dass sie noch leben – dass nicht das WAS wichtig sei, sondern das WIE.
Das „Wie“ kommt allerdings nicht von Zielen allein. Das „Wie“ entsteht aus dem eigenen Weltbild, unserer Sicht auf die Welt – und das entsteht aus der Sicht der Welt auf uns – wie sie uns sieht – und wie WIR uns SELBST sehen. Weltbild und Selbstbild – offenbar haben diese beiden Bilder eine unauflösliche Verknüpfung. Begründet in dem sogenannten Selbstwert, der die Bewertung darstellt, die man selbst von sich hat.
Verdammt. Das klingt nun ja verdächtig nach der berühmten „Katze, die sich in den Schwanz beißt“! Genau. Ein ewiger Kreislauf zwischen uns und der Welt.

Die gute Nachricht: Es kann jederzeit besser werden, wenn wir selbst uns verbessern. Die schlechte Nachricht: Wenn wir nichts tun, tut sich nichts.
Man spricht von einem Gleichgewicht zwischen vier psychischen Säulen, wie Freiheit und Selbstständigkeit, zwischenmenschlichen Beziehungen und bewusster Umgang mit Abhängigkeiten, Flexibilität in Veränderungen und Konstanz in Lebensgrundlagen.
Der Grundstein für einen sicheren Umgang mit der Umwelt liegt in unserem Selbstwert aus dem sich die Selbstsicherheit herausbildet – schon im Laufe unserer Kindheit.
Dazu braucht es ein Erleben, dass man selbst in die Welt eingreifen kann, etwas verändern kann – Eigenmacht erlebt (!), wertgeschätzt und anerkannt wird, sich mit Idealen identifizieren kann und mit Freiheit und Abhängigkeit umgehen lernt.
Diesen Selbstwert gibt sich – wie der Name schon sagt – jeder selbst. Und zwar
umso mehr, umso weniger man von der Meinung anderer abhängig ist. Als Erwachsener beziehen die meisten Menschen jedoch Ihren Selbstwert aus Ihrer Arbeit, aus Ihrem Beruf!

Es bestehen schon zahlreiche Studien über Arbeitslose, die aufzeigen, dass nach
einer ca. 6-monatigen bis einjährigen Arbeitslosigkeit ein Gefühl von Nutzlosigkeit auftritt, das sich bis in pathologische Zustände verschlimmern kann. (Jeremy Rifkins „Das Ende der Arbeit). Anstelle hier jedoch zweifelhafte Motivationsseminare als Zwang zu verordnen, sollte sinnvolle Arbeit gefunden werden, wie es z.B. Johannes Mathiessen mit Menschen in Detroit durchgeführt hat. In seinem Vortrag beim letzten Open-Space Congress „Zukunftskraft : Nachhaltigkeit“ zeigte er beeindruckende Bilder von völlig entmutigten Menschen, die er mit Hilfe von sinnvollen, lebenswichtigen und doch künstlerischen Aktivitäten zu neuem Sinn und Hoffnung verholfen hat.

Vom Ich zum Selbst
Horx führt in seinen Publikationen den Megatrend Individualismus aus, der jedoch nicht als Egoismus gesehen wird, sondern als eine reife Form eines authentischen Charakters, Entscheidungsfähigkeit und Autonomie sowie komplexe Selbststeuerung und Selbstreflexion. Es geht um Werte wie, Toleranz (statt Benehmen), Engagement (statt Leistung), Ehrlichkeit (statt Anstand), Freundschaft (statt Familie) und Spiritualität (statt Konfession).
Auch Erik Händeler führt in seiner „Geschichte der Zukunft“ aus, dass es zunächst nötig ist, sich seiner Individualethik bewusst zu werden um zur Universalethik streben zu können. Oben von Horx angeführte Werte entstehen nur durch ein Verstehen seiner selbst und dadurch auch des anderen. So kann Toleranz, Sozialkompetenz, Friede, Wohlstand und Gesundheit entstehen. (siehe Selfness-Akademie)

Was geschieht, wenn Menschen gemeinsam an einer sinnvollen Sache arbeiten und auch noch selbst einen Nutzen davon haben? Ja! Sie sind glücklich!
Ist es wichtig, was genau getan wird? Nein!
Ist es wichtig, zu verstehen, wozu man es tut, welchen Sinn es hat? Ja!

Was machen wir also falsch?

1) Wir haben ein Ziel, das wir um jeden Preis erreichen wollen.
Oft durchschreiten wir bewusst „miese Abteilungen und menschenunwürdige Unternehmen“ um die Karriereleiter möglichst rasch hinauf zu kommen, um „Geld“ zu verdienen. In diesem Prozess werden wir öfter vor die Wahl gestellt, was uns wichtiger ist: unsere Werte oder die Karriere.

2) Wir leben andere Ziele.
Sie kennen den Witz von der Großmutter, die mit Ihren beiden Enkelsöhnen spazieren geht und eine Bekannte trifft, die meint: „Das sind aber süße Buben, wie alt sind die denn?“ und die Großmutter antwortet:“ Der Arzt ist drei und der Jurist ist fünf!“ Wir mögen darüber lachen – aber die Prägungen der Ursprungsfamilie sind nicht zu unterschätzen. Ob man nun „keinesfalls“ das machen will, was die Eltern gemacht haben – oder ob man eben in ihre Fußstapfen tritt. Besonders bei Firmennachfolgen werden diese Themen akut.

3) Wir haben kein Ziel.
Wir leben in Orientierungslosigkeit. Niemand hat uns je gesagt oder gezeigt, wo unsere Stärken und Talente liegen. Man hat uns nur gezeigt, wo unsere Schwächen liegen. Daher trauen wir uns sowieso nichts zu und überlassen anderen, wo sie uns haben wollen.

4) Wir vergleichen uns ständig mit anderen, und wollen nicht sein, wer wir sind – bzw. sind nicht der, der wir sein wollen.

5) Wir geraten unter Druck und aus dem Gleichgewicht und nehmen uns nicht mehr die Zeit, unser Gleichgewicht zu finden, von wo aus wir überhaupt erst entscheiden und stimmig agieren könnten.

6) Wir versuchen, Unzufriedenheiten und Stress durch Ersatzbefriedigungen loszuwerden, deren Dosis wir ständig erhöhen, bis es nicht mehr geht und ein Zusammenbruch folgt.

Was können wir richtig machen?
Eine ganze Menge – davon handelt dieses Buch „Zukunftskraft : Arbeit„.

Zur Autorin:
Cornelia M. Scala-Hausmann, DDipl.
Gründerin, geschäftsführende Gesellschafterin
Jg. 1965, 1 Sohn, 1 Tochter,
Sitz derzeit in St.Veit an der Glan / Kärnten, Büro in Wien.
Synergie: Verbindung von Selbst & Markt, Führung & Kunst, Philosophie & Trendforschung.
Berufsmosaik: Studium Grafik-Design & Werbewissenschaften; bis 2000 geschäftsführende Gesellschafterin einer Werbeagentur in Wien 19 mit 16 Mio. Umsatz und 12 Mitarbeitern. Kunden: CA-BA, Procter & Gamble, SCA, Rosenthal, Cincinnati Milacron, Peithner KG etc. Ab 2000 vielfältige Ausbildungen in Coaching, Therapie und Gesundheit (4-jähriges Diplomstudium der Kunsttherapie; Stressmanagement, TCM-Diätetik, Systemisches Coaching, Mentaltrainings, Psychosomatik, Lebens- und Sozialberatung, Unternehmensberatung u.a.). Seit 7 Jahren als „Selfness & Business Coach“ tätig. Buchveröffentlichung „Die einfachen Wunder der Gesundheit – ein Selfness-Coaching“. EU-Zertifizierung als Erwachsenenbildnerin (Andragogin). Derzeitiger Schwerpunkt in der Lehrkonzeption für aktuelle Themen und Ableitung von vermittelbaren Zukunftskompetenzen.

– das Narrenschiff …
Ich muss immer an das Lied von Reinhard Mey denken, in dem er sehr zynisch, aber treffend die gesellschaftliche Situation beschreibt: „Das Narrenschiff“. Das Schiff, unsere zivilisierte Welt, wird von seiner Crew direkt auf ein Riff zugesteuert, doch
keiner will es sehen …

Wer sieht es nicht? Man muss seine Augen schon ganz fest zumachen, um es nicht zu
bemerken: Zerstörung aus Profitgier und Kurzsichtigkeit. Aber positiv ist – und das lässt uns die Augen gerne öffnen – auch ein aufkeimendes, wachsendes, erstarktes Bewusstsein für einen achtsamen Umgang mit unserer Lebensgrundlage, unserer Welt. Eben dieses Bewusstsein und auch die vermehrte Aufklärung in Sachen Nachhaltigkeit führen zu politischem Engagement und einem Ende der Tatenlosigkeit. Das gibt Hoffnung.
Also wende ich die Augen lieber dorthin und will optimistisch sein. Ich möchte den
derzeit beginnenden Wertewandel spätestens in den nächsten 2 Jahrzehnten
vollzogen sehen. Politik und Wirtschaft, die einen Ressourcen vergeudenden, ausgrenzenden und egoistischen Kurs fahren, müssen wenden, den Kurs korrigieren. Für eine neue Generation, die „achtsam mit sich, ihren Mitmenschen und der Umwelt
umgeht“ – mit dem was wir hoffentlich verantwortungsvoll hinterlassen werden.
Ich sehe eine neue Arbeitsform, die hauptsächlich virtuell vernetzt, global agiert und
trotzdem oder gerade deswegen die nahen Kontakte persönlich pflegt. Über
Fernlehrgänge wird Wissen vermittelt – aber in der nächsten Umgebung wird es
umgesetzt. Virtualität alleine macht Menschen gefühlsarm und depressiv – es braucht persönlichen Kontakt und Austausch, Gemeinsames, wofür es sich zu leben lohnt.
Transporte – sowohl von Gütern als auch von Menschen – erfolgen mit einer anderen
Technologie, die endlich umwelt- und ressourcenschonend agiert ohne zuvor bestehende, umweltgefährdende Patente bis zum Äußersten ausgereizt zu
haben.

Eine globale Forschung, die als Ziel nicht „Macht des Einzelnen“, sondern „gemeinsames Leben“ hat, sich rege austauscht und ergänzt. Wenn wir also so wollen, könnte eine solche nächste Epoche eine „synergetische“ sein, die länder-, rassen-, kultur-, generations- etc. -übergreifend im besten Interesse des Ganzen zusammenspielt, um so das Dasein des Einzelnen gleichzeitig angenehm und nachhaltig zu gestalten. Eine Synergie globaler Möglichkeiten zum Wohle jedes Einzelnen. Jeder lernt von jedem. Jedem ist bewusst, dass es ihm besser geht, wenn er am Gesamtwohl mitarbeitet. Dies würde eine absolute Gleichwertigkeit
aller Menschen voraussetzen. Da wäre auch der größte Unterschied zur
derzeitigen Epoche zu sehen.

Unser Erbe
• Was möchten Sie Ihren Kindern hinterlassen?
• Was sollte – um auf alte Coaching-Methoden zurückzugreifen –
auf Ihrem Grabstein stehen?
• Wofür wollen Sie in die Historie Ihrer Familie, Ihrer Freunde und Kollegen eingehen?
• Wozu wollen Sie gelebt haben?

Wenn ich meine 13-jährige Tochter Nathalie frage, wie sie die Welt sieht, bekommt sie einen traurigen Blick und meint, es sei schlimm, was mit Natur, Tier und Mensch geschieht. Sie versteht nicht den Sinn dahinter. Geld könne es doch nicht sein, meint sie, denn das kann man nicht lieben, nicht essen. Man kann damit keinen Baum pflanzen, kein in einem Krieg verlorenes Bein ersetzen … oder doch?
Wenn Geld diese Dinge nicht ersetzen aber doch möglich machen kann, wäre es
für sie okay. Sie spendet ihr letztes Taschengeld für Organisationen, die in diesen Segmenten aktiv sind. Systemisch gesehen müssen unsere Kinder viel ausgleichen. Die vergangenen Extreme der Vernichtung mit Extremen der „Beschützung“ beantworten. Um ihre eigene Existenz zu sichern. Im Kleinen, wie auch im Großen.
Aber wenn wir weiterdenken und hier unsere zukünftigen Arbeitsfelder sehen, könnten
sich „Profit“ und Arbeitsplätze aus diesen Bereichen heraus ergeben, sich gegenseitig befruchten und weiterentwickeln. Es wäre intelligent, es aus einem Erkennen
der Notwendigkeit heraus jetzt schon zu initiieren und nicht zu warten, bis es nicht
mehr anders geht.

Was hält noch 2 oder mehr Generationen stand?
Wenn ich den Begriff „Nachhaltigkeit“ höre, verbinde ich damit ein „Miteinander
zum Wohl aller Beteiligten“. Daraus ergeben sich Vorgehensweisen mit Weitblick
und ständigem Abgleich in allen Bereichen des Seins – ökologisch genauso
wie wirtschaftlich, sozial genauso wie politisch. Ein themenübergreifender Austausch
aller Wissensgebiete, der alle bekannten Aspekte einer Sache oder einer Lösung
beleuchtet und so Wissen aus allen Fachgebieten verbindet. Weniger „Fach-
Kongresse“ und mehr „fächerübergreifende“ Kongresse, die das ökologische
System und damit den Menschen in seiner Existenzgrundlage in den Mittelpunkt
stellen und von allen Seiten konstruktiv beleuchten. Und das mit Blick auf die übernächste Generation. Nachhaltigkeit bedeutet nicht, eine Lösung in der Illusion gefunden zu haben, dass diese Lösung jetzt auf ewig halten muss – vielmehr geht es um ständiges Weiterentwickeln, das jedoch ein regelmäßiges Hinterfragen vorausschickt.
Nachhaltigkeit verbinde ich auch mit dem Vermögen, mit eigenen, gegebenen Ressourcen, wie z. B. Lebensmittel aus eigener Region, auskommen zu können.
„Alles haben“ ist kein Weg ins Glück, wie wir schon erfahren haben. Warum also
nicht das Glück im „Nicht (haben) brauchen“ finden?
Bei unserem letzten Umzug haben wir alles Unnötige an andere weitergegeben und
uns mehr und mehr auf das Wesentliche reduziert. Es riecht nach Freiheit und Leichtigkeit!
Nicht umsonst boomen Pilgerwege in einer Zeit der Dekadenz. Mit nichts als einem
Rucksack am Rücken, mit den eigenen Füßen in der Welt stehen und gehen. Kennen
Sie das Gefühl? Es ist einmalig und heilsam. Es ist faszinierend, dass das Wort „Nachhaltigkeit“ nun wirtschaftsfähig geworden ist. Etwas, das nie hätte verloren gehen dürfen – etwas durch und durch menschliches, das jetzt wieder mühsam integriert werden muss.
Wir gehen gern ins Museum und schauen uns die alten Erfindungen an, ganz ohne
Groll. Werden das unsere Kindeskinder auch tun? Wird es statt einer „Nachkriegsgeneration“ eine „Nachhaltigkeitsgeneration“ geben?
Wenn schon kein Mitleid für diese Generation vorhanden zu sein scheint, so sollte
doch wenigstens Selbstverantwortung entstehen. Ich als Mutter bin hier natürlich
besonders sensibel. Was kann ich meinen Kindern mitgeben? Pessimismus und Sorge
wären verkehrt, lieber gebe ich Begeisterung mit!

Begeisterung für Aktionen, die etwas bewegen, Bewusstsein schaffen, den Weg bereiten: Begeisterung für …
… Jugendliche, die sich vor höchster Stelle Gehör verschaffen (Das Mädchen, das die
Welt 6:32 Minuten lang zum Schweigen brachte – UN Earth Submit 1992)
… Menschen, die etwas unter persönlichem Einsatz bewegen und zum Besseren
verändern.
… Energieprojekte, die auf alternative Energien ausgerichtet sind, ohne ökologische
Lebensräume zu zerstören.
… Projekte, die Grenzen abbauen und Menschen miteinander verbinden.
… Filmprojekte, die vorzeigen, wie es gehen könnte.
… Politiker, die es wagen, in diese Richtung zu arbeiten.
… „BürgerInnenräte“, die Verantwortung ins Volk bringen.
Und Ähnliches mehr.

Nachhaltige Führung – der eigene unternehmerische Ansatz
Im Institut für Zukunftskompetenzen versuche ich als geschäftsführende Gesellschafterin alles mir mögliche, um Bewusstsein dahin gehend zu schaffen.
Wir vermitteln Wissen, das Menschen mehr Kenntnis von Zusammenhängen erlaubt
und damit mehr Entscheidungsfreiheit ermöglicht.
Durch unser großes Netzwerk aus völlig unterschiedlichen Wissensgebieten können wir Synergien schaffen und für viele zugänglich machen. Wir bilden „Selfness Coaches / Counselors für Zukunftskompetenzen“ aus, die genau diese Themen, die jetzt in den
nächsten Jahren relevant werden, kritisch beleuchten und professionell begleiten können, um so „nachhaltige“ Führungspersönlichkeiten zu werden.
Strukturell ist das Institut bewusst als Netzwerk mit möglichst geringem Aufwand aufgebaut. Ressourcen werden achtsam und eloquent eingesetzt. Sowohl persönliche
als auch technische. Wir verzichten auf ein repräsentatives Büro und arbeiten
von unseren „Wohnbüros“ aus, wir schalten Skype-Konferenzen anstelle von persönlichen Anreisen. Wir gehen sparsam mit Büromaterialien um etc. – auch wenn
es banal klingt, so ist es von großer Wirkung. Wir setzen seit zwei Jahren unsere
zur Verfügung stehenden Ressourcen zum Aufbau des Institutes ein, ohne auf Fremdressourcen wie Kredite, Subventionen, Sponsoring etc. zugreifen zu müssen.
Natürlich ist uns bewusst, dass wir als Bildungsinstitut Vorbildcharakter einnehmen
müssen. Jede/r Trainer/in, Mitarbeiter/in und Partner/in ist angehalten, das, wovon
er/sie spricht, auch zu leben!

… ganz privat
Einen Weg zu finden, der nicht nur uns selbst guttut, sondern auch allen anderen,
ist einfacher, als man denkt. Wir müssen auf nichts verzichten – wir ersparen uns
nur so einiges, das uns zu mühsam wäre, und setzen die gewonnene Energie für
Dinge ein, die uns Freude machen. (Wäre das nicht ein guter wirtschaftlicher
Ansatz?)
Wir leben, obwohl ich zwei Kinder habe, seit 13 Jahren mit einem Golf Cabrio, das
nur knappe 5 Liter/100 km braucht und – da ich vieles von zu Hause aus erarbeiten
und in nächster Nähe einkaufen kann – nur genützt wird, wenn es wirklich nötig
ist. (Durch das aufklappbare Dach können wir unglaubliche Mengen transportieren.)
Mit einer Neuanschaffung warte ich, bis es ein gutes, ökologisch ausgereiftes PKW-Modell gibt.
Wir setzen uns für die Umwelt ein, weil wir die Natur sowieso lieben und so gut es
geht genießen. Wir geben lokalen und internationalen Initiativen finanzielle Unterstützung, soweit es im Bereich unserer Möglichkeiten liegt. Wir kaufen fast ausschließlich Lebensmittel am Bauernmarkt und im Bauernladen (also Nahversorgung) oder von Alnatura oder ähnlich nachhaltigen Firmen und essen seit
einigen Jahren kein Fleisch mehr (weil es sowieso nicht schmeckt). Wir haben Werbung im Briefkasten abbestellt und den Fernseher durch Internet ersetzt und waschen unsere Wäsche mit Waschnuss und Magnetkugel (spart Waschmittel) etc. Und wir machen das nicht, weil wir müssen – sondern weil es Spaß macht, Tricks zu finden, sich zu befreien von Zeit-, Platz- und Geldfressern. Wir halten unseren „ökologischen Fußabdruck“ gering bei gleichbleibender oder sogar höherer
Lebensqualität und weit geringeren Lebenserhaltungskosten!

Es gab Zeiten, da hatten wir Hühner und pflanzten selbst Gemüse für unseren eigenen
Jahresbedarf an. Doch wir haben es wieder aufgeben, weil ich meine ganze Energie in meinen Beruf, der auch meine Berufung ist, fließen lassen wollte. Geblieben ist die Gewissheit, es zu können, wenn es nötig sein sollte und wir gegebenenfalls irgendwann darauf zurückkommen möchten. Wir bilden und entwickeln uns stetig
weiter, um im Dienst am Nächsten – innerhalb und außerhalb der Familie – Zufriedenheit zu erfahren. Aber vor allem versuchen wir Vorurteile abzubauen und Menschen gleichwertig zu behandeln.

Hat unsere Generation gelernt?
Meine Großmutter hatte den Kaiser und zwei Kriege überlebt. Sie war zeitweise
Selbstversorgerin am Stadtrand von Wien und – als die Zeiten besser wurden – auch
wieder Konsumentin. Sie warf nichts weg, was brauchbar sein könnte, aber alles,
was im Weg war. Sie war nie zu alt, um zu lernen oder Vorurteile zu revidieren. Sie
war gelassen genug, um abwarten zu können, wenn nichts getan werden konnte,
und energisch genug, etwas durchzusetzen, wenn es nötig war.
Im Prinzip beherrschte diese 93-jährige Frau eine Lebenskunst, wie man sie heute
leider nur mehr sehr selten findet, die in jeder Situation einschätzen konnte, was
gebraucht wird. Flexibilität oder Härte, Offenheit oder Abgrenzung … Man könnte
sagen, diese Frau aus dem vorvorigen Jahrhundert (geb. 1896) besaß jede
Menge Selbstkompetenzen. Wir dürfen aus der Vergangenheit lernen!
Hätte ich 3 Wünsche frei, mit fundamentalem Einfluss auf die Weiterentwicklung unserer Erde …
… ich würde die Gier abschaffen, das würde reichen.
… und durch Verantwortung ersetzen.

Es wird derzeit von einem Beginn eines neuen Wirtschaftszyklus gesprochen. Das
Thema Gesundheit wird als dessen zentrales Thema genannt. Wir müssen jedoch
unser Verständnis von „Gesundheit“ erweitern – Umwelt und ökologische
Prozesse mit einschließen. Dann können wir uns tatsächlich auf diesen neuen Zyklus
vorbereiten. Alles andere ist zum Scheitern verurteilt.
Veränderungen brauchen Menschen, die verändern. Menschen, die kreativ, kommunikativ, reflektiv sowie vorausschauend handlungsfähig sind. Dazu braucht es ein Lernen, das anders als bisher stattfindet. Ein zusammenführendes, synergetisches
Lernen, das direkt umsetzbar ist, und zu aktivem Handeln führt: (Zukunfts-)Kompetenzen genannt.
Womit wir wieder direkt bei uns selbst ansetzen müssen.

Cornelia Scala-Hausmann
(Buchartikel von „Zukunftskraft:Nachhaltigkeit„, Wieser Verlag, 2010)

ARBEIT ist ein Lebensthema. ARBEIT brauchen wir alle. ARBEIT ist notwendig. Ohne ARBEIT kein Geld. ARBEIT kann mehr Energie bringen als sie mich kostet?

Nicht wir sollten der Arbeit dienen, sondern die Arbeit sollte uns dienen. Die Arbeit, die wir leis­ten, sollte nicht all unsere Kräfte aufzehren und uns erschöpfen. Sie sollte uns stattdessen mehr Kraft und Energie verleihen, sie sollte uns bei unserer Entwicklung unterstützen, lebendigere, vollständigere, stärkere Menschen zu werden.“

(Frithjof Bergmann)

Oh ja, das wäre doch wunderbar, oder? Zumeist tun wir es als Utopie und Träumerei ab. Aber mir kam in den letzten 15 Jahren ein Verdacht. Der Verdacht, dass es keine Träumerei, keine Utopie sein müsste. Dass es Realität sein muss, wenn wir etwas verändern wollen. WENN wir etwas verändern wollen. Viele wollen es nicht – dann ist es Utopie, korrekt. Aber – HEY – ich WILL verändern, und es sind immer mehr, die es auch wollen (ich staune nur so!) – also willkommen und packen wirs an!

Zu diesem Thema – wie Arbeit zukünftig aussehen wird, um uns Menschen statt in ein Burn-Out zu treiben, zu selbstverantwortlichen Arbeitnehmern zu machen – finden Sie mehr unter www.zukunftskompetenzen.at. Zu diesem Thema wurde 2011 ein Open-Space-Congress veranstaltet und ein Buch veröffentlicht.


Cornelia Scala-Hausmann

„Ich wünschte ich wäre da, wo ich bin.“ (Gertrude Stein)

Wünschte ich das? Als ich 2001 aus meiner Werbeagentur mit 100 Wochenstunden ausgestiegen war, wachte ich auf mit der Gewissheit – nein, ich wünschte nicht, da zu sein, wo ich bin.

Mit zwei Kindern, Katzen und Wohnbüro, hohen Fixkosten und als alleinerziehende, arbeitende Mutter schien eine Veränderung lebensnotwendig und lebensbedrohlich zugleich… aber der Druck war bereits groß genug, um Existenzängste geflissentlich zu übersehen… also: ändern wir das Leben eben!

Aber WO will ich sein, wenn nicht hier in dieser herrlichen Villa im 19. Wr. Bezirk, Büro und Wohnung in einem, mit Balkon und Blick auf die Berge?

Die Sehnsucht nach Einfachheit und direkter Natur war groß und so fuhr ich auf ein Outdoor-Camp nach Kärnten… und dort, wo ich nun war, lief mir ein wahrer Lebenskünstler über den Weg in den ich mich auch sogleich verliebte.

Also zog ich mit  (immer noch viel zu viel) Sack und Pack in die Kärntner „Wildnis“ und lebte 7 Jahre lang am Berg… wo das Leben dann doch nicht so einfach war.

Also suchte ich weiter – und wurde fündig: Leben auf dem Boot!

Als ich das erste mal längere Zeit auf Haralds Catamaran mit segelte, Stürme und Gewitter erlebte, und das „Leben“ nicht mehr selbstverständlich war – dort war für mich klar – JA! Das ist es!  Nur noch das zum (Über)leben nötige. Frei und den Elementen ganz nah. Hier erlebte ich, was „leben“ wirklich bedeutet – mit allen Gefahren und Schönheiten.
Ich spürte, wie sich mein Leben durch ein Fokusieren auf das Wesentliche „energetisierte“  – und wie ich die nötige Distanz zu vielen Dingen bekam.  Plötzlich war anderes wichtig, plötzlich war ich wieder ganz ich selbst, plötzlich ging es mir körperlich, seelisch und geistig blendend!
Je weniger ich auf das Schiff mitnahm, desto freier fühlte ich mich. Und seither reduziere ich auch meine Besitztümer an Land mehr und mehr…. ein herrliches Gefühl! Es ist wunderbar, einkaufen zu gehen und nichts zu brauchen.

Wir müssen oft zu Ursprünglichem finden, um das Wesentliche zu erkennen.

Daher ist mein Lebensmotto: Das Wenige gibt ein MEHR an LEBEN!
Leben statt funktionieren.
Spüren statt analysieren.
Tun statt planen.

Cornelia Scala-Hausmann

(veröffentlicht in der Zeitschrift „Wege“ – Dezember 2011)

 

Bei aller Schnelligkeit, allen Anforderungen, Erfüllungswünschen, Zielen, aller Informationsfülle und Möglichkeiten konnten wir bei Jahreswechsel ein wenig verlangsamen, ein wenig näher uns selbst sein.

Es ist gut, sein Wissen, seine Kompetenzen stetig zu erweitern – doch eine Frage sollte im Zentrum stehen: „Was ist das Thema, zu dessen Erkundung ich geboren wurde?“ Denn rund um dieses Thema geht alles ganz leicht…. und wir fühlen uns glücklich.

Es ist nötig, uns unserer Individualethik bewusst zu werden und zur Universalethik zu streben. Dazu dürfen wir uns erstmal als Individuum erfassen (erfassen = mich verstehen, mich fühlen und meine Handlungen bewusst ausführen, um den anderen zu verstehen, zu fühlen, zu verstehen warum er so handelt). Dadurch entsteht Toleranz. Sozialkompetenz. Friede. Wohlstand. Und vor allem: Gesundheit.

Ihre
Cornelia Scala-Hausmann
(* Zitat von Thomas Bergner)

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