– das Narrenschiff …
Ich muss immer an das Lied von Reinhard Mey denken, in dem er sehr zynisch, aber treffend die gesellschaftliche Situation beschreibt: „Das Narrenschiff“. Das Schiff, unsere zivilisierte Welt, wird von seiner Crew direkt auf ein Riff zugesteuert, doch
keiner will es sehen …

Wer sieht es nicht? Man muss seine Augen schon ganz fest zumachen, um es nicht zu
bemerken: Zerstörung aus Profitgier und Kurzsichtigkeit. Aber positiv ist – und das lässt uns die Augen gerne öffnen – auch ein aufkeimendes, wachsendes, erstarktes Bewusstsein für einen achtsamen Umgang mit unserer Lebensgrundlage, unserer Welt. Eben dieses Bewusstsein und auch die vermehrte Aufklärung in Sachen Nachhaltigkeit führen zu politischem Engagement und einem Ende der Tatenlosigkeit. Das gibt Hoffnung.
Also wende ich die Augen lieber dorthin und will optimistisch sein. Ich möchte den
derzeit beginnenden Wertewandel spätestens in den nächsten 2 Jahrzehnten
vollzogen sehen. Politik und Wirtschaft, die einen Ressourcen vergeudenden, ausgrenzenden und egoistischen Kurs fahren, müssen wenden, den Kurs korrigieren. Für eine neue Generation, die „achtsam mit sich, ihren Mitmenschen und der Umwelt
umgeht“ – mit dem was wir hoffentlich verantwortungsvoll hinterlassen werden.
Ich sehe eine neue Arbeitsform, die hauptsächlich virtuell vernetzt, global agiert und
trotzdem oder gerade deswegen die nahen Kontakte persönlich pflegt. Über
Fernlehrgänge wird Wissen vermittelt – aber in der nächsten Umgebung wird es
umgesetzt. Virtualität alleine macht Menschen gefühlsarm und depressiv – es braucht persönlichen Kontakt und Austausch, Gemeinsames, wofür es sich zu leben lohnt.
Transporte – sowohl von Gütern als auch von Menschen – erfolgen mit einer anderen
Technologie, die endlich umwelt- und ressourcenschonend agiert ohne zuvor bestehende, umweltgefährdende Patente bis zum Äußersten ausgereizt zu
haben.

Eine globale Forschung, die als Ziel nicht „Macht des Einzelnen“, sondern „gemeinsames Leben“ hat, sich rege austauscht und ergänzt. Wenn wir also so wollen, könnte eine solche nächste Epoche eine „synergetische“ sein, die länder-, rassen-, kultur-, generations- etc. -übergreifend im besten Interesse des Ganzen zusammenspielt, um so das Dasein des Einzelnen gleichzeitig angenehm und nachhaltig zu gestalten. Eine Synergie globaler Möglichkeiten zum Wohle jedes Einzelnen. Jeder lernt von jedem. Jedem ist bewusst, dass es ihm besser geht, wenn er am Gesamtwohl mitarbeitet. Dies würde eine absolute Gleichwertigkeit
aller Menschen voraussetzen. Da wäre auch der größte Unterschied zur
derzeitigen Epoche zu sehen.

Unser Erbe
• Was möchten Sie Ihren Kindern hinterlassen?
• Was sollte – um auf alte Coaching-Methoden zurückzugreifen –
auf Ihrem Grabstein stehen?
• Wofür wollen Sie in die Historie Ihrer Familie, Ihrer Freunde und Kollegen eingehen?
• Wozu wollen Sie gelebt haben?

Wenn ich meine 13-jährige Tochter Nathalie frage, wie sie die Welt sieht, bekommt sie einen traurigen Blick und meint, es sei schlimm, was mit Natur, Tier und Mensch geschieht. Sie versteht nicht den Sinn dahinter. Geld könne es doch nicht sein, meint sie, denn das kann man nicht lieben, nicht essen. Man kann damit keinen Baum pflanzen, kein in einem Krieg verlorenes Bein ersetzen … oder doch?
Wenn Geld diese Dinge nicht ersetzen aber doch möglich machen kann, wäre es
für sie okay. Sie spendet ihr letztes Taschengeld für Organisationen, die in diesen Segmenten aktiv sind. Systemisch gesehen müssen unsere Kinder viel ausgleichen. Die vergangenen Extreme der Vernichtung mit Extremen der „Beschützung“ beantworten. Um ihre eigene Existenz zu sichern. Im Kleinen, wie auch im Großen.
Aber wenn wir weiterdenken und hier unsere zukünftigen Arbeitsfelder sehen, könnten
sich „Profit“ und Arbeitsplätze aus diesen Bereichen heraus ergeben, sich gegenseitig befruchten und weiterentwickeln. Es wäre intelligent, es aus einem Erkennen
der Notwendigkeit heraus jetzt schon zu initiieren und nicht zu warten, bis es nicht
mehr anders geht.

Was hält noch 2 oder mehr Generationen stand?
Wenn ich den Begriff „Nachhaltigkeit“ höre, verbinde ich damit ein „Miteinander
zum Wohl aller Beteiligten“. Daraus ergeben sich Vorgehensweisen mit Weitblick
und ständigem Abgleich in allen Bereichen des Seins – ökologisch genauso
wie wirtschaftlich, sozial genauso wie politisch. Ein themenübergreifender Austausch
aller Wissensgebiete, der alle bekannten Aspekte einer Sache oder einer Lösung
beleuchtet und so Wissen aus allen Fachgebieten verbindet. Weniger „Fach-
Kongresse“ und mehr „fächerübergreifende“ Kongresse, die das ökologische
System und damit den Menschen in seiner Existenzgrundlage in den Mittelpunkt
stellen und von allen Seiten konstruktiv beleuchten. Und das mit Blick auf die übernächste Generation. Nachhaltigkeit bedeutet nicht, eine Lösung in der Illusion gefunden zu haben, dass diese Lösung jetzt auf ewig halten muss – vielmehr geht es um ständiges Weiterentwickeln, das jedoch ein regelmäßiges Hinterfragen vorausschickt.
Nachhaltigkeit verbinde ich auch mit dem Vermögen, mit eigenen, gegebenen Ressourcen, wie z. B. Lebensmittel aus eigener Region, auskommen zu können.
„Alles haben“ ist kein Weg ins Glück, wie wir schon erfahren haben. Warum also
nicht das Glück im „Nicht (haben) brauchen“ finden?
Bei unserem letzten Umzug haben wir alles Unnötige an andere weitergegeben und
uns mehr und mehr auf das Wesentliche reduziert. Es riecht nach Freiheit und Leichtigkeit!
Nicht umsonst boomen Pilgerwege in einer Zeit der Dekadenz. Mit nichts als einem
Rucksack am Rücken, mit den eigenen Füßen in der Welt stehen und gehen. Kennen
Sie das Gefühl? Es ist einmalig und heilsam. Es ist faszinierend, dass das Wort „Nachhaltigkeit“ nun wirtschaftsfähig geworden ist. Etwas, das nie hätte verloren gehen dürfen – etwas durch und durch menschliches, das jetzt wieder mühsam integriert werden muss.
Wir gehen gern ins Museum und schauen uns die alten Erfindungen an, ganz ohne
Groll. Werden das unsere Kindeskinder auch tun? Wird es statt einer „Nachkriegsgeneration“ eine „Nachhaltigkeitsgeneration“ geben?
Wenn schon kein Mitleid für diese Generation vorhanden zu sein scheint, so sollte
doch wenigstens Selbstverantwortung entstehen. Ich als Mutter bin hier natürlich
besonders sensibel. Was kann ich meinen Kindern mitgeben? Pessimismus und Sorge
wären verkehrt, lieber gebe ich Begeisterung mit!

Begeisterung für Aktionen, die etwas bewegen, Bewusstsein schaffen, den Weg bereiten: Begeisterung für …
… Jugendliche, die sich vor höchster Stelle Gehör verschaffen (Das Mädchen, das die
Welt 6:32 Minuten lang zum Schweigen brachte – UN Earth Submit 1992)
… Menschen, die etwas unter persönlichem Einsatz bewegen und zum Besseren
verändern.
… Energieprojekte, die auf alternative Energien ausgerichtet sind, ohne ökologische
Lebensräume zu zerstören.
… Projekte, die Grenzen abbauen und Menschen miteinander verbinden.
… Filmprojekte, die vorzeigen, wie es gehen könnte.
… Politiker, die es wagen, in diese Richtung zu arbeiten.
… „BürgerInnenräte“, die Verantwortung ins Volk bringen.
Und Ähnliches mehr.

Nachhaltige Führung – der eigene unternehmerische Ansatz
Im Institut für Zukunftskompetenzen versuche ich als geschäftsführende Gesellschafterin alles mir mögliche, um Bewusstsein dahin gehend zu schaffen.
Wir vermitteln Wissen, das Menschen mehr Kenntnis von Zusammenhängen erlaubt
und damit mehr Entscheidungsfreiheit ermöglicht.
Durch unser großes Netzwerk aus völlig unterschiedlichen Wissensgebieten können wir Synergien schaffen und für viele zugänglich machen. Wir bilden „Selfness Coaches / Counselors für Zukunftskompetenzen“ aus, die genau diese Themen, die jetzt in den
nächsten Jahren relevant werden, kritisch beleuchten und professionell begleiten können, um so „nachhaltige“ Führungspersönlichkeiten zu werden.
Strukturell ist das Institut bewusst als Netzwerk mit möglichst geringem Aufwand aufgebaut. Ressourcen werden achtsam und eloquent eingesetzt. Sowohl persönliche
als auch technische. Wir verzichten auf ein repräsentatives Büro und arbeiten
von unseren „Wohnbüros“ aus, wir schalten Skype-Konferenzen anstelle von persönlichen Anreisen. Wir gehen sparsam mit Büromaterialien um etc. – auch wenn
es banal klingt, so ist es von großer Wirkung. Wir setzen seit zwei Jahren unsere
zur Verfügung stehenden Ressourcen zum Aufbau des Institutes ein, ohne auf Fremdressourcen wie Kredite, Subventionen, Sponsoring etc. zugreifen zu müssen.
Natürlich ist uns bewusst, dass wir als Bildungsinstitut Vorbildcharakter einnehmen
müssen. Jede/r Trainer/in, Mitarbeiter/in und Partner/in ist angehalten, das, wovon
er/sie spricht, auch zu leben!

… ganz privat
Einen Weg zu finden, der nicht nur uns selbst guttut, sondern auch allen anderen,
ist einfacher, als man denkt. Wir müssen auf nichts verzichten – wir ersparen uns
nur so einiges, das uns zu mühsam wäre, und setzen die gewonnene Energie für
Dinge ein, die uns Freude machen. (Wäre das nicht ein guter wirtschaftlicher
Ansatz?)
Wir leben, obwohl ich zwei Kinder habe, seit 13 Jahren mit einem Golf Cabrio, das
nur knappe 5 Liter/100 km braucht und – da ich vieles von zu Hause aus erarbeiten
und in nächster Nähe einkaufen kann – nur genützt wird, wenn es wirklich nötig
ist. (Durch das aufklappbare Dach können wir unglaubliche Mengen transportieren.)
Mit einer Neuanschaffung warte ich, bis es ein gutes, ökologisch ausgereiftes PKW-Modell gibt.
Wir setzen uns für die Umwelt ein, weil wir die Natur sowieso lieben und so gut es
geht genießen. Wir geben lokalen und internationalen Initiativen finanzielle Unterstützung, soweit es im Bereich unserer Möglichkeiten liegt. Wir kaufen fast ausschließlich Lebensmittel am Bauernmarkt und im Bauernladen (also Nahversorgung) oder von Alnatura oder ähnlich nachhaltigen Firmen und essen seit
einigen Jahren kein Fleisch mehr (weil es sowieso nicht schmeckt). Wir haben Werbung im Briefkasten abbestellt und den Fernseher durch Internet ersetzt und waschen unsere Wäsche mit Waschnuss und Magnetkugel (spart Waschmittel) etc. Und wir machen das nicht, weil wir müssen – sondern weil es Spaß macht, Tricks zu finden, sich zu befreien von Zeit-, Platz- und Geldfressern. Wir halten unseren „ökologischen Fußabdruck“ gering bei gleichbleibender oder sogar höherer
Lebensqualität und weit geringeren Lebenserhaltungskosten!

Es gab Zeiten, da hatten wir Hühner und pflanzten selbst Gemüse für unseren eigenen
Jahresbedarf an. Doch wir haben es wieder aufgeben, weil ich meine ganze Energie in meinen Beruf, der auch meine Berufung ist, fließen lassen wollte. Geblieben ist die Gewissheit, es zu können, wenn es nötig sein sollte und wir gegebenenfalls irgendwann darauf zurückkommen möchten. Wir bilden und entwickeln uns stetig
weiter, um im Dienst am Nächsten – innerhalb und außerhalb der Familie – Zufriedenheit zu erfahren. Aber vor allem versuchen wir Vorurteile abzubauen und Menschen gleichwertig zu behandeln.

Hat unsere Generation gelernt?
Meine Großmutter hatte den Kaiser und zwei Kriege überlebt. Sie war zeitweise
Selbstversorgerin am Stadtrand von Wien und – als die Zeiten besser wurden – auch
wieder Konsumentin. Sie warf nichts weg, was brauchbar sein könnte, aber alles,
was im Weg war. Sie war nie zu alt, um zu lernen oder Vorurteile zu revidieren. Sie
war gelassen genug, um abwarten zu können, wenn nichts getan werden konnte,
und energisch genug, etwas durchzusetzen, wenn es nötig war.
Im Prinzip beherrschte diese 93-jährige Frau eine Lebenskunst, wie man sie heute
leider nur mehr sehr selten findet, die in jeder Situation einschätzen konnte, was
gebraucht wird. Flexibilität oder Härte, Offenheit oder Abgrenzung … Man könnte
sagen, diese Frau aus dem vorvorigen Jahrhundert (geb. 1896) besaß jede
Menge Selbstkompetenzen. Wir dürfen aus der Vergangenheit lernen!
Hätte ich 3 Wünsche frei, mit fundamentalem Einfluss auf die Weiterentwicklung unserer Erde …
… ich würde die Gier abschaffen, das würde reichen.
… und durch Verantwortung ersetzen.

Es wird derzeit von einem Beginn eines neuen Wirtschaftszyklus gesprochen. Das
Thema Gesundheit wird als dessen zentrales Thema genannt. Wir müssen jedoch
unser Verständnis von „Gesundheit“ erweitern – Umwelt und ökologische
Prozesse mit einschließen. Dann können wir uns tatsächlich auf diesen neuen Zyklus
vorbereiten. Alles andere ist zum Scheitern verurteilt.
Veränderungen brauchen Menschen, die verändern. Menschen, die kreativ, kommunikativ, reflektiv sowie vorausschauend handlungsfähig sind. Dazu braucht es ein Lernen, das anders als bisher stattfindet. Ein zusammenführendes, synergetisches
Lernen, das direkt umsetzbar ist, und zu aktivem Handeln führt: (Zukunfts-)Kompetenzen genannt.
Womit wir wieder direkt bei uns selbst ansetzen müssen.

Cornelia Scala-Hausmann
(Buchartikel von „Zukunftskraft:Nachhaltigkeit„, Wieser Verlag, 2010)

Über den Autor: la scala

Jg. 1965, 1 Sohn, 1 Tochter, Liebenfels / Kärnten und Wien. Synergiensuche von Selbst & Markt, Führung & Kunst, Philosophie & Trendforschung, Spiritualität & Wirtschaft. Berufsmosaik: Studium Grafik-Design & Werbewissenschaften; bis 2000 geschäftsführende Gesellschafterin einer Werbeagentur in Wien 19 mit 16 Mio. Umsatz und 12 Mitarbeitern. Kunden: CA-BA, Procter & Gamble, SCA, Rosenthal, Cincinnati Extrusion, Peithner KG etc. Ab 2000 vielfältige Ausbildungen in Coaching, Therapie und Gesundheit (4-jähriges Diplomstudium der Kunsttherapie; Stressmanagement, TCM-Diätetik, Systemisches Coaching, Mentaltrainings, Psychosomatik, Lebens- und Sozialberatung, Unternehmensberatung u.a.). Seit 7 Jahren als „Selfness & Business Coach“ tätig. Buchveröffentlichung "Die einfachen Wunder der Gesundheit - ein Selfness-Coaching". EU-Zertifizierung als Erwachsenenbildnerin (Andragogin). Gründung des Instituts für Zukunftskompetenzen. Derzeitiger Schwerpunkt in der Lehrkonzeption für aktuelle Themen und Ableitung von vermittelbaren Zukunftskompetenzen. Mehrere Publikationen, darunter Der Zukunftskompass®. 2015 bis 2019 auf Segelweltreise. 2020 Engagement in Gesellschafts- und Krisenthemen.

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